Donnerstag, 27. November 2014
Ärzte Zeitung, 22.01.2013

Kommentar zum Fettpolster

Übergewicht neu bewertet?

Von Beate Schumacher

Vor den dramatischen Folgen zunehmender Leibesfülle in der westlichen Welt wird seit Jahren gewarnt - und nun stellt sich heraus, dass Übergewichtige die höchste Lebenserwartung haben.

Selbst eine Adipositas bis zu einem BMI von 35 wird nicht mit einem früheren Tod bezahlt. Sind die bisherigen BMI-Grenzen also zu eng gezogen?

In der Tat räumen auch Experten inzwischen ein, dass besonders bei chronisch kranken Menschen mit Übergewicht oder einer Grad-I-Adipositas möglicherweise nicht immer eine Gewichtsreduktion indiziert ist.

Eine Umwertung aller Werte steht derzeit trotzdem nicht an. Kritisch betrachtet werden müssen nämlich nicht nur die Grenzwerte für Übergewicht und Fettsucht, sondern auch die Maßeinheit selbst.

In ein und derselben BMI-Klasse finden sich Menschen wieder, bei denen Fett und Muskulatur sehr unterschiedlich verteilt sein können.

Es ist mehr als zweifelhaft, ob ein BMI von 27 bei einer Sarkopenie und bei einem trainierten Körper dasselbe Risiko birgt. Der BMI mag ein Risikoindikator sein - aber das Maß aller Dicken ist der BMI eben nicht.

Lesen Sie dazu auch:
Übergewicht: Länger leben mit Fettpölsterchen

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