Ärzte Zeitung, 17.03.2016

Ansatz gegen Adipositas?

Fettpolster in Fettverbrenner umwandeln

Ein neuer Ansatz im Kampf gegen extremes Übergewicht könnte gefunden sein: Werden Gq-Proteine blockiert, verwandeln sich weiße in energiezehrende braune Fettzellen - zumindest bei Mäusen klappt das.

BONN. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat in Fettzellen von Mäusen und Menschen einen Schalter entdeckt, mit dem sich überflüssige Pfunde verbrennen lassen, berichtet die Uni Bonn.

Wird das Gq-Protein blockiert, verwandeln sich weiße Fettzellen in die energieverbrennenden braunen Zellen (Nat Commun 2016, online 9. März).

An Fettzellen von Mäusen habe das Team einen "Schalter" entdeckt, mit dem sich die Fettverbrennung forcieren lässt. Die Forscher beobachteten, dass in braunen Fettzellen besonders viele Rezeptoren vorkommen, die an das Gq-Protein koppeln, heißt es in der Mitteilung.

Die Wissenschaftler aktivierten in den Mäusefettzellen das Gq-Protein, daraufhin verschlechterte sich die Zahl und die Qualität der braunen Zellen. "Wird dagegen Gq mit einem Hemmstoff blockiert, dann reifen mehr braune Fettzellen heran", wird Doktorandin Katarina Klepac in der Mitteilung der Uni zitiert.

Klappt das auch in menschlichen Fettzellen?

Das Gleiche gilt für die beigen Fettzellen - den Hoffnungsträgern der Forscher. Sie können sich aus weißen in braune Fettzellen umwandeln und sind ebenfalls an der "Verbrennung" überflüssiger Energiespeicher beteiligt. Ist in ihnen das Gq-Protein blockiert, bilden sich mehr braune "Fettverbrenner".

Funktioniert die Hemmung der Gq-Proteine nur in Mäusezellen oder auch in menschlichen Fettzellen? Das Forscherteam vollzog die zuvor an den Nagerzellen durchgeführten Experimente auch an menschlichen Fettzellen nach, die sie im Labor heranzüchteten.

"Auch bei humanen Fettzellen zeigte sich, dass sich daraus braune Fettzellen viel besser entwickeln konnten, sobald die Gq-Proteine- blockiert wurden", so Professor Alexander Pfeifer von der Uni Bonn.

Dies könnte dem Forscher zufolge ein viel versprechender potenzieller Ansatzpunkt für die Entwicklung von Wirkstoffen sein, die die Fettverbrennung bei adipösen Patienten ankurbeln. Doch bis dahin sei es noch ein langer Weg, so Pfeifer. (eb)

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[17.03.2016, 11:35:17]
Dr. Karl-Otmar Stenger 
Der Fettschalter
Was unter "Der Fettschalter" gemeint ist, ist Gegenstand nicht enden wollender Forschungsbemühungen. Mit W. Ebinger stimme ich darin überein, dass diese Bemühungen den politischen Gremien (u. a. der EU) immer neue Munition geben, von der zwingend in Handlung umzusetzende WHO-Empfehlung aus 2015 abzulenken, den Zuckerkonsum weltweit drastisch einzuschränken (eine Kalorienzufuhr, die 5% des Bedarfs in Form von Zucker übersteigt, ist mittel- bis langfristig gesundheitsschädlich). In diesem Sinne möchte ich "Der Fettschalter" (ISBN 9783871854972) verstehen; denn unter diesem Titel ist das von mir übersetzte Buch "The Fat Switch" von Richard J. Johnson bei Hachinger unlängst erschienen.
Aus der Arbeitsgruppe um RJ Johnson stammt dann auch folgende Arbeit: A pilot study on the impact of a low fructose diet and allopurinol on clinic blood pressure among overweight and prehypertensive subjects: a randomized placebo controlled trial; Magdalena Madero et al. ; Journal of the American Society of Hypertension 9(11) (2015) 837–844. Diese Arbeit kann man auch als Einstieg benutzen, sich über die bisher gemachten Erfahrungen mit Gewichtsreduktion im o. g. Sinn zu informieren. zum Beitrag »
[17.03.2016, 09:23:02]
Wolfgang Ebinger 
Unwissenschaftlicher Therapieansatz
Existieren eigentlich bereits Studien darüber, ob evtl. eine reduzierte Kalorienzufuhr möglicherweise ebenfalls zu den gewünschten Ergebnissen führen könnte?

Die Termini „ankurbeln“ und „ein weiter Weg“ scheinen mir in diesem Zusammenhang ebenfalls zielführend. Das geht dann evtl. auch ganz ohne Schalter...
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