Ärzte Zeitung, 12.05.2009

Kommentar

"Schlafen Sie sich mal richtig aus!"

Von Angela Speth

Florence Nightingale war bestimmt nicht faul - aber die englische Krankenschwester, berühmt wegen ihres Einsatzes für Verwundete des Krimkrieges, war wegen chronischer Erschöpfung 50 Jahre bettlägerig. An ihren Geburtstag soll das Datum des CFS-Tags erinnern - und daran, dass CFS-Patienten nicht nur mit der Müdigkeit zurechtkommen müssen, sondern auch mit den Kommentaren ihrer Mitmenschen.

Kostproben aus Internetforen: Drückeberger, alles rein psychisch, reiß dich zusammen. Ins gleiche Horn stieß der "Spiegel" mit dem Bericht "Krankheiten, die der Himmel schickt", worin er CFS als Modeerscheinung schmähte - und dafür immerhin eine Rüge vom Deutschen Presserat kassierte. Grund für das Unverständnis, das selbst manche Ärzte äußern: Oft lässt sich trotz sorgfältiger Diagnostik keine Ursache finden.

In den USA ist man weiter: Das Gesundheitsministerium gibt Ärzten übers Web Hilfen zum Krankheitsmanagement, stiftet Forschungsgelder und weist darauf hin, dass bei 40 Prozent der Patienten eine unerkannte Störung wie Diabetes oder Hypothyreose vorliegt. In Deutschland fehlen solche offiziellen Stellungnahmen. CFS in die medizinische Ausbildung zu integrieren, wie die Selbsthilfeorganisation Fatigatio fordert, ist daher überfällig.

Lesen Sie dazu auch:
"Zu 80 Prozent sind Infekte die Ursache der Erschöpfung"
Wenn die Kraft nicht zum Kochen oder Duschen reicht

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