Ärzte Zeitung, 05.03.2004

Henna-Tattoos sind weniger harmlos als vermutet

Schwere allergische Reaktionen nicht nur bei echten Tattoos und Permanent Make-up / Fake-Tattoos als Alternative

WIEN (ner). Jeden Sommer, wenn die T-Shirts wieder knapper und die Röcke kürzer werden, kommt es ans (Sonnen-)Licht: Tattoos sind in und ohne fühlt man sich bereits nackter als nackt. Die Light-Varianten sind "Fake-Tattoo" und "Temptoo". Dieser Körperschmuck soll nach einiger Zeit unauffällig wieder verschwinden - spätestens wenn die Mode vorbei ist. Doch manchmal bleibt mehr zurück als die Erinnerung an den Urlaubsspaß und ein nettes Foto vom bebilderten Po.

Diese kunstvolle Henna-Bemalung wird "Mehndi" genannt und stammt ursprünglich aus Indien. Foto: dpa

Ein Tattoo ist eine Bemalung unter der Haut, ein Temptoo (temporary tattoo) dagegen auf der Haut. Weil echte Tätowierungen sich kaum ohne Narbenbildung entfernen lassen, schrecken viele Menschen davor zurück. Ganz abgesehen von den bekannten Risiken einer Fremdkörperreaktion auf Schwermetalle, einer Allergie oder der Gefahr von Fremdkörpergranulomen sowie der Infektionsgefahr bei nicht steriler Arbeit. Da kommt ein harmloses Urlaubs-Temptoo, aufgebracht von fliegenden Henna-Künstlern, vielen gerade recht.

Zwar gilt Henna, welches fest an das Keratin der Epidermis bindet, als gering allergen. Jedoch enthält das meist verwendete schwarze Henna Beimengungen von p-Phenylendiamin, einem starken Kontaktallergen, wie Professor Wolfgang Raab vom Allergie-Ambulatorium "Innere Stadt" in Wien in der Zeitschrift "Haut" (4, 2003, 148) berichtet.

Nach Angaben des Dermatologen mehren sich Berichte, wonach Patienten mit teilweise schweren allergischen Ekzemen an den Stellen ihres im Urlaub angefertigten Henna-Temptoos ärztliche Hilfe benötigen. Trete als Folge einer allergischen Dermatitis zum Beispiel eine Depigmentierung ein, hinterlasse die aufgetragene Zeichnung ein lebenslang bestehendes weißes Bild, schreibt Raab.

Nun möchte auch nicht jeder Mensch seinen Körper mit mehr oder weniger auffälligen Bildern und Ornamenten schmücken, sondern eher die natürliche Schönheit hervorheben - allerdings ohne sich täglich schminken zu müssen. Mit dem vor 15 Jahren erstmals beschriebenen "Permanent Make-up" existiert dafür eine Methode, die man als Mittelding zwischen echtem Tattoo und Temptoo beschreiben könnte.

Beim Permanent Make-up werden sehr feine Pigmentkörnchen mit einer elektrisch bewegten Nadel nur etwa 0,1 mm tief eingestochen (Tätowierung: 1 bis 3 mm). Allerdings gelangten die Pigmente nicht nur in die Epidermis, wie vielfach behauptet werde, so Raab, sondern auch in die oberen Coriumschichten. Das Ganze soll zwei bis fünf Jahre halten.

Raab berichtet über Kontrollanalysen, bei denen die verwendeten Mineralfarben nicht immer so sauber waren wie es notwendig wäre. So fanden sich Azopigmente, welche phototoxische Reaktionen hervorrufen können, halogen-organische Verbindungen oder bestimmte Metallspuren.

Folge können Granulome und allergische Reaktionen vom Spättyp sein, besonders bei Permanent Make-up im Augenbereich. Auch diese Art von Tattoo sei schwer vorzeitig zu entfernen, warnt Raab. Im Gegenteil: Entsprechende Behandlungen mit dem gepulsten CO2-Laser führten dazu, daß manche Metalloxide erst richtig dunkel werden. Außerdem können bei der Behandlung austretende Pigmente allergisch wirken.

Bleiben noch die Fake-Tattoos. Diese Bildchen werden einfach auf die Haut geklebt. Vereinzelt würden aber auch hierbei Kontaktallergien auf den verwendeten Klebstoff (meist Kolophonium) beobachtet, so Raab. Sollte dies passieren oder verblaßt die Zeichnung nach zwei bis drei Wochen, läßt sich das Kunstwerk jedoch mühelos abreiben.

Fazit des Wiener Allergologen: "Wenn schon Verzierungen auf der Haut aufgebracht werden sollen, so sind Fake Tattoos aus ärztlicher Sicht die einzige zu verantwortende Form."

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