Ärzte Zeitung, 13.01.2004

Allergische Rhinitis und Asthma - zwei Formen einer Krankheit

Patienten mit Asthma sollten gezielt nach Rhinitis befragt werden, und umgekehrt / Hyposensibilisierung bei Rhinitis kann Asthma verhüten

KÖLN (ner). Hausärzte sollten Patienten mit allergischer Rhinitis verstärkt Beachtung schenken. Denn die Erkrankung steht in engem Zusammenhang mit Asthma bronchiale, wie jüngste molekularbiolgische Forschungen ergeben haben.

Die WHO gehe inzwischen von einem "Ein-Atemweg-Konzept" aus, berichtete Professor Claus Bachert von der Universitätsklinik in Gent beim Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer in Köln. Es gebe viele Gemeinsamkeiten zwischen Asthma und Rhinitis, was diagnostische und therapeutische Konsequenzen habe. So unterhalten die gleichen Zellen, Zytokine, Chemokine und Adhäsionsmoleküle in Nase und Bronchien die chronische Entzündung.

Die saisonale Allergenexposition führt bei Patienten mit allergischer Rhinitis (AR) zu einer bronchialen Hyperreagibilität und eosinophilen Schleimhautentzündungen, ohne daß Asthmasymptome vorliegen müssen. Zugleich haben epidemiologische Untersuchungen ergeben, daß AR-Patienten, besonders Kleinkinder, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Asthma haben. Asthma und Rhinitis, sowohl allergisch als auch nicht-allergisch, treten häufig beim gleichen Patienten auf, erläuterte Bachert.

Diese Erkenntnisse haben nach Angaben von Bachert folgende Konsequenzen: Bei einer AR oder bei Nasenpolypen sollte auch nach bronchialen Symptomen gefragt werden. Umgekehrt ist bei schwerem Asthma eine HNO-Untersuchung, eventuell auch eine Computertomographie der Nasennebenhöhlen angezeigt. Es sei wichtig, die Patienten gezielt zu befragen, da für diese oft nicht die Symptome des jeweils anderen Organs im Vordergrund stünden, so Bachert.

Die Therapien sollten entsprechend des jeweiligen Befundes ausgeweitet werden, also etwa topische Kortikoide oder Immuntherapeutika verordnet werden. Wiederholt sei nachgewiesen worden, daß die erfolgreiche Linderung der Rhinosinusitis zur Besserung eines Asthmas führen könne, so Bachert. Die Hyposensibilisierung bei Kindern mit AR könne die Asthmaentstehung verhindern. Auch die chirurgische Therapie bei Rhinosinusitis oder Nasenpolypen lindere Asthmasymptome und senke den Arzneimittelverbrauch.

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