Ärzte Zeitung, 12.02.2004

"Wir haben eine Allergie-Epidemie"

Versorgung von Allergikern bleibt unbefriedigend / Weißbuch Allergie vorgestellt

BERLIN (gvg). Von einer "Allergie-Epidemie" haben deutsche Allergologen bei der Vorstellung der Neuauflage vom "Weißbuch Allergie" am Mittwoch in Berlin gesprochen. Sie forderten, Allergien als chronische Erkrankungen zu klassifizieren und warnten vor einer weiteren Verschlechterung der Versorgung.

Man gehe derzeit davon aus, daß es in Deutschland etwa zwölf Millionen Menschen mit Heuschnupfen und vier bis fünf Millionen Asthmatiker gebe, so Professor Gerhard Schultze-Werninghaus von der Klinik Bergmannsheil in Bochum. Diese Zahlen lägen für Heuschnupfen um 70 Prozent und für Asthma um ein Drittel über den Werten des Jahres 1990. "Das ist eine Epidemie", sagt auch Professor Uwe Gieler vom ABAP, dem Aktionsbündnis Allergieprävention.

Doch die Versorgung ist schlecht: Einer Untersuchung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) zufolge sei in Deutschland nur jeder dritte Patient, der sich bei einem Allergologen vorstelle, überhaupt vorher schon einmal wegen seiner Allergie behandelt worden, so Schultze-Werninghaus. Und von denen, die behandelt werden, erhält demnach nur jeder Vierte die richtigen Medikamente in angemessener Dosierung.

Die Befürchtung der deutschen allergologischen Fachgesellschaften, die das Weißbuch gemeinsam herausgeben: Sollten Allergiker künftig nicht zu den chronisch Kranken gezählt werden, werde sich die Situation noch verschlimmern. Bei noch mehr Patienten würde sich dann nach Heuschnupfen Asthma entwickeln, nämlich bei einem Drittel der Unbehandelten, mit entsprechenden Kosten für das Gesundheitssystem.

Dabei gebe es eine kosteneffiziente Therapie, die nur genutzt werden müsse: Die spezifische Immuntherapie senke die Therapiekosten pro Jahr von fast 1200 Euro pro Patient auf die Hälfte, so Professor Johannes Ring aus München.

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