Ärzte Zeitung, 20.02.2004

Bei Pollenallergie hilft auch Kurzzeittherapie

Hyposensibilisierung in kürzeren Abständen möglich

HAMBURG (awa). Bei Pollenallergikern können ohne großen Aufwand mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) die Beschwerden deutlich verringert werden: vor jeder Saison vier Spritzen binnen drei Wochen und das drei Jahre lang bessert bei mehr als 90 Prozent der Patienten die Symptome. Und die Allergiker benötigen viel weniger Medikamente gegen die Allergie.

Die SIT ist die einzige kausale Therapie gegen Typ-1-Allergien. Die konventionelle Hyposensibilisierung dauert jedoch sehr lange. Drei bis fünf Jahre lang müssen mehr als 50 Spritzen injiziert werden, um erfolgreich zu desensibilisieren. Die Behandlungsdauer kann jedoch bei Allergien gegen Gräser-/Roggenpollen und Baumpollen mit der Allergie-Impfung Pollinex Quattro wesentlich verkürzt werden. Möglich mache das eine Kombination von Allergoiden und dem TH1-Zell-stimulierenden Adjuvans Monophosphoryl Lipid-A (MPL®).

Mit den Allergoiden können im Vergleich zu unveränderten Allergenen höhere Dosierungen in kürzeren Abschnitten verabreicht werden. Dies berichtete Dr. Karl Jürgen Drachenberg vom Unternehmen Bencard auf einer Veranstaltung in Hamburg. Grundsätzlich beruhe diese Impfung auf dem gleichen Prinzip wie die konventionelle Langzeit-SIT, so Drachenfels. Deshalb bestehe der Schutz ebenfalls für zehn Jahre.

Daß sich die Kurzzeit-Immuntherapie in der Praxis bewährt habe, sei in einer noch laufenden Anwendungsbeobachtung mit mehr als 3000 Pollenallergikern belegt worden. In dieser Studie wurden bisher 324 Patienten drei Jahre lang damit behandelt. Vor der Allergie-Impfung nahmen 45 Prozent der Patienten regelmäßig Medikamente zur symptomatischen Behandlung bei Allergie ein. Nach der Immuntherapie seien es nur noch acht Prozent, so Drachenfels.

Der Anteil der Patienten, die nur noch gelegentlich zusätzliche Medikamente benötigten, erhöhte sich von 16 auf mehr als 50 Prozent. Keine Medikamente nahmen vor der SIT knapp drei Prozent, nach der Therapie 33 Prozent. Schon nach einem Jahr waren nach Angaben von Drachenfels die Allergiesymptome bei 88 Prozent der Patienten im Vergleich zum Vorjahr deutlich gelindert, nach drei Jahren war dies bei 93 Prozent der Patienten der Fall. Die Ärzte beurteilten die Verträglichkeit der SIT bei mehr als 90 Prozent der Patienten als sehr gut oder gut.

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