Ärzte Zeitung, 07.12.2004

Drastischer Rückgang der Latex-Allergien

Daten von 1,8 Millionen Mitarbeitern im Gesundheitswesen / Inzidenz sank in sechs Jahren um 80 Prozent

OSNABRÜCK (mal). Konsequente Prävention bringt Erfolg. Das bestätigen jetzt deutsche Forscher eindrucksvoll: Innerhalb von sechs Jahren ist in Deutschland die Inzidenz von Latex-Allergien gesunken - bei Ärzten und anderen in medizinischen Bereichen Tätigen um 80 Prozent.

Zur Erinnerung: In den 90er Jahren stieg mit dem immer häufigeren Gebrauch von Latex-Handschuhen zum Schutz vor Virus-Infekten die Rate der an die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) gemeldeten Verdachtsfälle von Latex-Allergien.

Der Grund dafür war weniger das Latex selbst als der speziell behandelte Maisstärkepuder, mit dem die Handschuhe versehen sind, um ein Zusammenkleben zu verhindern. Er "saugt wie ein Schwamm Latex-Allergene aus dem Handschuh" und verstärkt so die Allergen-Präsentation, sagte Privatdozent Dr. Henning Allmers von der Uni Osnabrück zur "Ärzte Zeitung". Außer zu Hautallergien kann der Kontakt mit dem Puder - beim Einatmen - auch zu Asthma führen.

Mit einer Präventionskampagne der BGW 1997 und 1998 und der seit 1998 geltenden Austauschpflicht für gepuderte Latex-Handschuhe wendete sich das Blatt. So seien zum Beispiel schon 1998 zum ersten Mal mehr ungepuderte als gepuderte unsterile Latex-Untersuchungshandschuhe verkauft worden, so Allmers und seine Kollegen (J Allergy Clin Immunol 114, 2004, 347).

Parallel dazu sei die Zahl der jährlich der BGW gemeldeten Verdachtsfälle von Latex-Allergien von 1998 bis 2002 um 80 Prozent gesunken. Nach Daten des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften wurden bei etwa 1,8 Millionen bei der BGW versicherten Mitarbeitern im Gesundheitswesen 1998 noch 1262 Erkrankungen gemeldet, 2003 nur noch 228.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »