Ärzte Zeitung, 22.03.2005

Laufende Nasen und tränende Augen haben jetzt wieder Hochkonjunktur. Kommt zu diesen Symptomen ein Juckreiz hinzu, kann das ein Hinweis auf eine Pollen-bedingte allergische Rhinokonjunktivitis sein. Bereits zwölf Millionen Heuschnupfen-Patienten leben in Deutschland, das sind 70 Prozent mehr als im Jahre 1990.

Pollen bringen die Nase wieder zum Jucken

Anamnese und Haut-Test helfen bei der Diagnostik / Nasaler Provokationstest deckt die klinische Relevanz von Allergenen auf

Junge Frau mit Heuschnupfen. Wegen der Klima-Erwärmung haben Pollen-Allergiker immer früher Symptome. Foto: imago

Von Ingrid Kreutz

Laufende Nasen und tränende Augen sind um diese Jahreszeit bekanntlich keine Rarität. Kommt ein Juckreiz hinzu, ist die Ursache möglicherweise eine Pollenallergie, sagt Professor Karl-Christian Bergmann, Leitender Arzt der Allergie- und Asthma-Klinik in Bad Lippspringe zur "Ärzte Zeitung".

Denn: Der Pollenflug der Frühblüher wie Erle, Hasel und Birke hat bereits wieder begonnen. Zwölf Millionen Heuschnupfen-Patienten leben in Deutschland, das sind 70 Prozent mehr als 1990. Die Ursache für diesen rasanten Anstieg ist noch nicht geklärt. Diskutiert wird jedoch unter anderem, daß die Pollen durch die zunehmenden Schadstoffe in der Luft aggressiver geworden sind.

Prick-Test zeigt Sensibilisierung an

Bei Patienten, die jetzt erstmals über eine laufende, juckende Nase und tränende, gerötete Augen klagen, sollte unbedingt ein Prick-Test gemacht werden, da eine allergische Ursache der Beschwerden sehr wahrscheinlich sei, so Bergmann. Als Standardprogramm für diese Untersuchung eignen sich Pollen sowie Katzenhaare, Hausstaubmilbenkot und Alternaria alternata als wichtigsten Schimmelpilz.

Fällt der Test nur positiv aus für Pollenallergene, kann nach Angaben des Allergologen gleich mit einer symptomatischen Therapie begonnen werden. Ist der Test auch positiv für ganzjährig vorhandene Allergene wie Hausstaubmilbenkot oder Tierhaare, sollte vor der Therapie ein nasaler Provokationstest in einer allergologischen Praxis veranlaßt werden, um das krankmachende Allergen zu ermitteln.

Intrakutan-Test zur weiteren Abklärung

"Ein positiver Prick-Test bedeutet lediglich, daß ein Patient sensibilisiert ist gegen ein bestimmtes Allergen, aber das muß nicht bedeuten, daß er beim Kontakt mit einer solchen Substanz in alltäglicher Konzentration Beschwerden bekommt", so Bergmann. Bevor man den Patienten aufwendige Karenzmaßnahmen auferlegt wie das Entfernen sämtlicher Teppiche aus der Wohnung oder die Abschaffung von Haustieren sollte geklärt sein, ob das betreffende Allergen tatsächlich klinisch relevant ist.

Eine Alternative zum Prick-Test, der nach wie vor als Standard gilt, ist der Intrakutan-Test. Hierbei wird ein Allergenextrakt hochverdünnt in kleiner Menge oberflächlich in die Haut gespritzt. Der Test ist zwar sensitiver als der Prick-Test, wird jedoch vor allem bei negativem Prick-Test, aber anamnestisch deutlichen Hinweisen auf eine Sensibilisierung gemacht. Der Intrakutan-Test belastet die Patienten stärker als der Prick-Test, ist technisch aufwendiger, und das Risiko für systemische Nebenwirkungen ist etwas höher, sagen Experten.

Die Hauttests haben mittlerweile Konkurrenz bekommen durch Bluttests wie den FastCheckPoc®. Zwei Test-Kits werden angeboten, mit je zwölf Inhalations- oder Nahrungsmittel-Allergenen. Bergmann empfiehlt eine solchen Test vor allem bei Patienten, die in den letzten sieben bis zehn Tagen Antihistaminika angewendet haben, weil dann der Prick-Test falsche Ergebnisse liefern könne. Eine gute Alternative sei der Bluttest auch für Patienten mit sehr empfindlicher Haut, etwa bei Urticaria factitia. Das gleiche gelte auch bei Ekzemen oder Neurodermitis.

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STICHWORT

Prick-Test

Mit dem Prick-Test läßt sich nachweisen, ob ein Patient gegen ein bestimmtes Allergen sensibilisiert ist. Am Unterarm wird in ein bis zwei Reihen je ein Tropfen der allergenhaltigen Lösung in drei bis fünf Zentimetern Abstand aufgetragen. Dann werden die Tropfen mit einer Lanzette durchstochen und die Haut dabei so angeritzt, daß es nicht blutet. Kommt es zu einer Schwellung oder Rötung, bedeutet dies, daß der Patient Antikörper gegen das Allergen gebildet hat. (ikr)

STICHWORT

Intrakutan-Test

Der Intrakutan-Test ist sensitiver als der Prick-Test, ist jedoch technisch aufwendiger. Außerdem werden die mit dem Intrakutan-Test verbundenen Injektionen von den Patienten meist als schmerzhaft empfunden. Im Unterschied zum Prick-Test werden beim Intrakutan-Test höchstens 50 µl einer allergenhaltigen Lösung intrakutan, und zwar in die obere Dermis der Haut injiziert. Man beginnt mit der niedrigsten Allergenkonzentration; bei vorangegangenem Prick-Test mit einem Prozent der hierbei negativen Allergenlösung. Zur Bestimmung des Sensibilisierungsgrades wird eine Titration alle 20 Minuten mit 3- bis 10fach höheren Konzentrationen vorgenommen, bis eine eindeutig positive Reaktion - erkennbar anhand von Jucken, Erythem- und Quaddelbildung - eintritt oder der Test negativ ausfällt. (ikr)

STICHWORT

Blut-Test

Zur Allergie-Diagnostik gibt es außer Hauttests Blutschnell-Tests wie den FastCheckPoc® vom Unternehmen Diagnostic Science & Technology. Mit zwei Tropfen Blut des Patienten in einem Verdünnungsmittel wird eine Membran benetzt. Darauf haften Allergene. Binden sich Antikörper aus dem Blut an diese Antigene, wird ein Kreuz sichtbar. Es gibt zwei Test-Kits mit je zwölf Allergenen. (ikr)

STICHWORT

Nasaler Provokations-Test

Ziel des nasalen Provokations-Tests mit Allergenen ist es, Patienten mit einer klinisch relevanten Sensibilisierung gegen inhalative Allergene zu identifizieren. Der Test reproduziert die Reaktion der Nasenschleimhaut auf einen inhalierbaren Stoff aus der Umwelt, etwa Blütenpollen oder Katzenhaare, unter kontrollierten Bedingungen. Dabei wird das jeweils als klinisch relevant verdächtigte Allergen auf die Nasenschleimhaut des betreffenden Patienten gebracht. Die daraus resultierende klinische Sofortreaktion wird dokumentiert. Die Veränderung der nasalen Luftdurchlässigkeit nach Applikation bestimmter Allergene wird mit der aktiven anterioren Rhinomanometrie gemessen. Allergische Reaktionen wie Niesreiz, Sekretion und Fernsymptome werden dann mit Hilfe eines Scores erfaßt und beurteilt. (ikr)

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