Ärzte Zeitung, 15.02.2005

Sublinguale Immuntherapie senkt Arzneibedarf bei Pollenallergie

Verbrauch an Kortikoiden halbiert / Ergebnis einer Anwendungsbeobachtung

MÜNCHEN (sto). Die sublinguale Immuntherapie ist bei Patienten mit Pollenallergie eine effektive und gut verträgliche Option, wie eine Anwendungsbeobachtung bestätigt. Die Behandlung findet anfangs unter ärztlicher Überwachung statt. Der Vorteil: Später können sich die Patienten im Gegensatz zur subkutanen Immuntherapie mit Hilfe einer kalibrierten Dosierpumpe selbst behandeln.

Jetzt fliegen regional die Pollen wieder: Derzeit verursachen vor allem Hasel- und Erlenpollen Symptome bei Patienten mit Pollenallergie. Foto: wid

An einer Anwendungsbeobachtung nahmen 254 Patienten mit einer Allergie gegen Frühblüher teil, von denen 192 Patienten mit allergischer Rhinitis und Rhinokonjunktivitis über 35 Tage mit einer sublingualen Ultra-Rush-Therapie (Staloral 300), das heißt mit einer kurzen Aufdosierungsphase behandelt wurden, berichtete der Dermatologe Professor Hans Friedrich Merk von der RWTH Aachen bei einem Allergiesymposium in München.

Nach 35 Tagen hatte sich die Zahl der Patienten, die Kortikoide benötigten, von 40 auf 21 halbiert und die Zahl der Patienten, die Antihistaminika verwendeten, um 30 Prozent von 170 auf 117 reduziert, berichtete Merk bei dem Symposium, das vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und dem Unternehmen Stallergenes veranstaltet wurde.

Bei 34 Patienten wurden unerwünschte Effekte mit lokalen, systemischen oder gastrointestinalen Symptomen beobachtet. Sie wurden aber überwiegend als leicht oder mäßiggradig eingestuft. Anaphylaktische Schocks, systemische Reaktionen, die eine stationäre Behandlung erfordern, oder schwere Notfälle seien nicht aufgetreten, berichtete Merk.

In einer Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie, an der 254 Patienten mit einer Gräserpollen-Allergie teilnahmen, hatten 108 Patien-ten während der Titration mindestens eine unerwünschte Reaktion, die jedoch alle leicht bis mäßig gewesen seien, so Merk. Meist handelte es sich dabei um lokale Symptome im Mundbereich wie Schwellungen, Jucken oder Brennen.

Außerdem seien bei fünf Patienten Übelkeit, bei neun Patienten Darmgeräusche und bei 14 Patienten leichte Kopfschmerzen beobachtet worden, sagte Merk.

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