Ärzte Zeitung, 17.02.2005

Hyposensibilisierung bei atopischem Ekzem?

Erste Hinweise, daß manche Patienten von hohen Hausstaubmilbenextrakt-Dosierungen profitieren

MÜNCHEN (sto). Ein atopisches Ekzem galt bislang als Kontraindika-tion für eine Hyposensibilisierung. Das könnte sich nun ändern, meint der Allergologe Privatdozent Dr. Randolf Brehler von der Universität Münster.

In einer noch nicht veröffentlichten Studie wurde bei etwa 60 erwachsenen Patienten mit atopischem Ekzem und nachgewiesener Hausstaubmilbenallergie eine Hyposensibilisierung gemacht. Vor allem jene Patienten hätten von der Behandlung profitiert, die Milbenextrakt in einer höheren Dosierung erhielten. Dies hat Brehler bei einem Allergiesymposium in München berichtet.

Hintergrund der Studie sei die Be-obachtung gewesen, daß ein Hauttest mit Hausstaubmilben nur bei etwa 39 Prozent der Patienten mit atopischem Ekzem auch eine Ekzem-Reaktion auslöst, so Brehler bei dem Symposium, das vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und dem Unternehmen Stallergenes ver-anstaltet wurde. Der Grund dafür sei, daß es für das atopische Ekzem noch immer kein einheitliches pathogenetisches Konzept gebe.

Offenbar handele es sich beim atopischen Ekzem um eine ganze Gruppe von Erkrankungen, die durch sehr unterschiedliche Defekte verursacht sein können. Dafür spreche, daß nur etwa 70 Prozent der Patienten mit atopischer Dermatitis auch andere atopische Krankheiten, hohe Gesamt-IgE-Spiegel und nachweisbares allergenspezifisches IgE haben. Bei etwa 30 Prozent der Patienten fänden sich hingegen keine weiteren Zeichen einer Atopie, berichtete Brehler.

Das sei ein generelles Problem der Allergiediagnostik. Häufig würden allergenspezifische IgE-Antikörper nachgewiesen, ohne daß es zu kli-nisch relevanten allergischen Reakti-onen komme. Außerdem könnten oft atopische Erkrankungen nicht ausgeschlossen werden, obwohl keine IgE-Antikörper gefunden werden. Bei solchen Patienten werde eine allergische Reaktion offenbar durch kreuzreagierende spezifische IgE-Antikörper ausgelöst. Deshalb könne ein Patient mit atopischem Ekzem auch durch Hausstaubmilben massiv beeinträchtigt sein, so Brehler.

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