Ärzte Zeitung, 01.07.2005

12-Jahres-Daten zu spezifischer Immuntherapie

Heuschnupfen-Symptome sowie Bedarf an Medikamenten wurden signifikant verringert / Studie mit Kindern

MÜNCHEN (wst). Der Nutzen einer subkutanen spezifischen Immuntherapie (SIT) bei Heuschnupfen ist auch noch zwölf Jahre nach Therapieende offensichtlich, wie eine Studie mit Kindern ergeben hat.

Ein Junge mit Heuschnupfen: Durch Hyposensibilisierung kann die Sensitivierung gegen weitere Allergene verhindert werden. Foto: AOK-Mediendienst

Im Vergleich zu nur symptomatisch behandelten Kontrollpersonen hatten die SIT-Patienten auch nach zwölf Jahren noch weniger Heuschnupfen-Symptome, litten seltener an Asthma und sensibilisierten sich weniger oft gegen neue Allergene.

Dies ist das Resultat einer offenen, kontrollierten Langzeit-Studie, die Privatdozent Dr. Peter A. Eng von der Abteilung für Pneumologie und Allergologie des Kinderkrankenhauses Aarau in der Schweiz zum Welt-Allergie-Kongreß in München vorgestellt hat.

An der 1988 begonnenen Studie haben 28 Kinder (Durchschnittsalter 10,2 Jahre) mit einem schweren, durch Gräserpollen verursachten Heuschnupfen teilgenommen. 14 Kinder erhielten über drei Jahre eine subkutane SIT mit einem Gräserpollenallergoid (Allergovit®). Die anderen 14 Kinder gehörten zur Kontrollgruppe. Sie bekamen lediglich eine symptomatische Therapie während der Pollensaison, wie Eng auf einem Symposium des Unternehmens Allergopharma berichtet hat.

Zwölf Jahre nach Beendigung der SIT standen aus dieser Gruppe noch zwölf und aus der Kontrollgruppe noch zehn Patienten für eine Follow- up-Analyse zur Verfügung. Auch zu diesem Zeitpunkt schnitten die SIT-Kinder signifikant besser ab als Kontrollpatienten, und zwar beurteilt anhand eines Score, der Häufigkeit und Schwere von Heuschnupfensymptomen sowie den Bedarf an symptomatischer Medikation berücksichtigt.

Zusätzlich zur Gräserpollen-Allergie hatten alle noch verfügbaren Teilnehmer aus der Kontrollgruppe im Verlauf der zwölf Nachbeobachtungsjahre eine klinisch relevante Sensitivierung gegen weitere Allergene entwickelt, in der SIT-Gruppe hingegen nur 58 Prozent. Auch dieser Unterschied war signifikant.

Außerdem: Im Jahre 1988 bekamen 70 Prozent in der SIT-Gruppe und 80 Prozent in der Kontrollgruppe bei Exposition gegenüber verdächtigen Pollen Asthma-Symptome. 15 Jahre nach dieser Erstuntersuchung und zwölf Jahre nach Beendigung der SIT hatten in der Kontrollgruppe noch 70 Prozent und in der SIT-Gruppe nur noch 33 Prozent dieses Problem.

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