Mittwoch, 2. September 2015
Ärzte Zeitung, 25.08.2006

Spezielle Impfung macht Patienten mit Allergie fast beschwerdefrei

Allergen der Hausstaubmilbe plus Adjuvans subkutan injiziert / Therapie wirkt rasch

NEU-ISENBURG (ikr). Für Patienten mit allergischer Rhinokonjunktivitis, etwa durch Pollen oder Hausstaubmilbenkot, zeichnet sich eine vielversprechende Therapieoption ab: Mit einer neuartigen Immuntherapie wurden Patienten bereits innerhalb von drei Monaten nahezu beschwerdefrei.

Einem Patienten wird ein Allergenextrakt subkutan gespritzt. Von Vorteil ist offenbar die zusätzliche Injektion eines Adjuvans. Foto: PD Jörg Kleine-Tebbe

Die Behandlung funktioniert ähnlich wie die spezifische Immuntherapie. Es wird subkutan ein Extrakt eines Allergens, etwa des der Hausstaubmilbe, in den Arm gespritzt. Das Besondere: An der gleichen Stelle wird zusätzlich ein Adjuvans namens QbG10 injiziert. Dabei handelt es sich um das virusähnliche Partikel Qb, das mit dem immunstimulierenden DNA-Fragment G10 mit der Bausteingruppe CpG gefüllt ist.

"Durch Injektion des Adjuvans zusätzlich zum Allergenextrakt wird dem Immunsystem quasi eine bakterielle Infektion vorgetäuscht, und es kommt zu einer heftigen Immunreaktion der T-Helferzellen (Th) vom Typ 1 und nicht vom Typ 2, der die allergischen Symptome auslöst", sagte Privatdozent Dr. Thomas Kündig vom Zürcher Universitätsspital zur "Ärzte Zeitung". Patienten mit Allergien neigen zu einer überschießenden Th-2-Reaktion auf eigentlich harmlose Substanzen wie Pollen oder Hausstaubmilbenkot.

Daß diese Art der therapeutischen Impfung gut wirksam ist, ist jetzt in einer Pilotstudie bei 20 Patienten mit Hausstaubmilbenallergie nachgewiesen worden. Zunächst wurde zweimal in wöchentlichem Abstand ein herkömmlicher Hausstaubmilben-Extrakt subkutan in den Arm gespritzt und aufdosiert.

Es folgten vier weitere Injektionen in wöchentlichem Abstand. Dabei wurde das Allergen weiter auftitriert und zusammen mit dem Adjuvans der Schweizer Firma Cytos Biotechnology injiziert. Danach erfolgten im Abstand von zwei Wochen noch zwei weitere Behandlungen, und zwar jeweils mit der höchsten Allergendosis.

"Bereits am Ende der Behandlung waren die Patienten praktisch beschwerdefrei", so der Allergologe. Ein so schneller und starker Effekt sei mit einer herkömmlichen spezifischen Immuntherapie selbst nach drei Jahren kaum zu erreichen. Auch acht Monate nach Therapieende seien die Patienten mit der neuartigen Behandlung nahezu ohne Symptome gewesen.

Zudem tolerierten die Patienten beim konjunktivalen Provokationstest im Mittel eine 100mal stärkere Allergenkonzentration als vor der Therapie. Kündig: "Das kann wohl kein Zufall und auch kein reiner Placebo-Effekt gewesen sein." Die Therapie war recht gut verträglich. Es gab ähnlich wie bei der klassischen Immuntherapie einige Lokalreaktionen wie Armschwellungen oder Juckreiz nach der Injektion.

Um den Behandlungserfolg auch nach strengen wissenschaftlichen Kriterien zu bestätigen, wurden bereits drei Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studien mit rund 120 Patienten begonnen. Die meisten von ihnen haben eine Hausstaubmilben- oder Gräserpollenallergie.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Gefahr für Herz und Kreislauf: Sauber-Image von Kaffee gerät ins Wanken

Moderatem Kaffeekonsum werden diverse positive Gesundheitseffekte nachgesagt. Eine aktuelle Studie rüttelt jetzt kräftig an diesem Image. mehr »

Ärzte in Kliniken: Zu hohes Honorar? Dann droht Strafe!

Niedergelassene Ärzte operieren in Kliniken und ermöglichen dadurch eine sektorübergreifende Versorgung aus einer Hand. Doch wie dürfen solche Leistungen von Kliniken honoriert werden, ohne dass der Verdacht der Korruption aufkommt? Ein Fachanwalt klärt auf. mehr »

Schwanger in der Probezeit: Keine Angst vor Kündigung

Schwanger in der Weiterbildungszeit und obendrein in der Probezeit - und was jetzt? Im ersten Teil unserer neuen Serie "Wegweiser Weiterbildung" analysieren wir, wie Ärztinnen in solchen Situationen vor der Kündigung geschützt sind. mehr »