Ärzte Zeitung, 22.03.2007

Begünstigt Chlor im Schwimmbad Heuschnupfen?

Nach einer Studie haben Menschen, die als Kind oft schwimmen waren, ein erhöhtes Risiko für allergische Rhinitis

NEUHERBERG (ars). Kinder, die öfter in Bädern mit chloriertem Wasser schwimmen, haben ein erhöhtes Risiko für Heuschnupfen. Hinweise dafür ergibt eine bayerische Studie. Besonders Klein- und Schulkindern aus Familien mit allergischen Erkrankungen raten die Wissenschaftler daher von allzu häufigen Besuchen ab.

Plantschen macht Babys großen Spaß. Günstig wäre, wenn sie das nicht in chloriertem Wasser tun würden. Foto: Klaro

Der typische Schwimmbadgeruch ist der Geruch nach Chlor. Das eigentlich gelbgrüne Halogen wird dem Wasser aus hygienischen Gründen zugesetzt. Die gesundheitlichen Folgen dieser Sitte hat eine Arbeitsgruppe um Dr. Yvonne Schlöfer vom GSF Forschungszentrum in Neuherberg retrospektiv untersucht.

Dafür haben etwa 2600 Erwachsene zwischen 35 und 74 Jahren Fragebögen ausgefüllt, vor allem zur Häufigkeit von Schwimmbadbesuchen in der eigenen Jugend, und zwar während der Schulzeit, sowie aktuell im Jahr zuvor. In mündlichen Interviews gaben sie außerdem an, ob sie je von einem Arzt die Diagnose Heuschnupfen, Asthma oder atopisches Ekzem erhalten hatten.

Demnach wurden Schwimmbäder von den 30er bis zu den 60er Jahren zunehmend beliebter. So berichteten nur 27 Prozent der Teilnehmer im Alter zwischen 65 und 74, als Schulkind mehr als zwölfmal pro Jahr im Schwimmbad gewesen zu sein. Bei den 35- bis 44-Jährigen waren es mit 60 Prozent mehr als doppelt so viele (Allergy 61, 2006, 1305).

Parallel dazu stieg die Prävalenz von Heuschnupfen: In der Gruppe mit den ältesten Studienteilnehmern waren nur 7 Prozent daran erkrankt, aber 19 Prozent der jüngsten Teilnehmer. Anders ausgedrückt: Wer als Schulkind mehr als zwölfmal pro Jahr im Schwimmbad gewesen ist, hat ein 2,5-fach höheres Heuschnupfen-Risiko als jemand, der sich nie dort aufgehalten hat.

Insgesamt ergab sich ein enger Zusammenhang vor allem mit Schwimmbad-Aufenthalten als Kind, nicht so sehr als Erwachsener. "Kritisch sehen wir vor allem die Verbreitung des Babyschwimmens", so Schlöfer zur "Ärzte Zeitung". Für Kinder, deren Eltern bereits Allergien haben, hält sie sogar die üblichen Kurse mit einem Termin pro Woche für wenig ratsam. "Das Wasser für Säuglinge ist wärmer als das in den Erwachsenenbecken und dünstet folglich auch mehr Chlor aus. Zudem sind die Kinder mit der Nase näher dran, und ihre Lunge ist noch empfindlicher."

Ausgangspunkt der Studie war die These, dass Chlorverbindungen die Barriere des Lungenepithels schädigen und dadurch das Eindringen von Allergenen erleichtern. Eine erhöhte Anfälligkeit für Asthma bei häufigen Schwimmbad-Aufenthalten ist bereits nachgewiesen.

Weitere Infos erhalten Sie unter: www.oekorecherche.de und http://science.orf.at/science/news/48785

Chlor bildet inhalierbare Substanzen

Seit 1900 wird Wasser in öffentlichen Bädern chloriert. Diese Praktik hat einen Nachteil: Chlor reagiert mit den organischen Substanzen aus dem Urin und Schweiß der Badegäste, so dass sich über der Wasseroberfläche potenziell gefährliche inhalierbare Chlorverbindungen sammeln. Die Konzentration hängt von der Besucherdichte im Bassin ab, aber auch von der Luftströmung. Hallenbäder sind daher bedenklicher als Freibäder. "Nach unserer Umfrage in mehreren Städten verwenden alle Schwimmbäder Chlor. Einige wenige ersetzen einen Teil durch das teurere Ozon", so Dr. Yvonne Schlöfer. Seit 1980 darf das Wasser in Pools nach DIN-Norm höchstens 0,3 bis 0,6 mg/l freies und 0,2 mg/l gebundenes Chlor bei einem pH zwischen 6,5 und 7,6 enthalten. Schlöfer: "Vor 1980 waren die Zahlen deutlich höher." In Belgien etwa liegen die Richtwerte immer noch um das Zehnfache über den deutschen. (ars)

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