Ärzte Zeitung, 04.05.2007

KOMMENTAR

Ausgetrickstes Immunsystem

Von Peter Leiner

Es klingt zunächst, als sei das unmöglich: mit Hilfe von genetischem Material, das aus Bakterien stammt, das Immunsystem zu steuern und Allergien zu bekämpfen. Aber was in Tierversuchen bereits belegt wurde, funktioniert offenbar in ersten klinischen Studien auch bei Patienten. Noch sind zwar die Studien nicht abgeschlossen, aber schon jetzt ist klar, dass sich mit diesem Konzept das Immunsystem gezielt täuschen lässt - zu Gunsten von Patienten.

Das bakterielle genetische Material wirkt im Immunsystem wie etwas, das den Immunzellen Gefahr signalisiert und dabei B-Lymphozyten anregt, Antikörper zu synthetisieren. Und: Es stimuliert einen wichtigen Zweig der zellulären Immunabwehr. Dieser ist charakterisiert durch die Synthese der Botenstoffe Interferon-gamma und Interleukin 12, mit denen fremde Eindringlinge abgewehrt werden. Dabei wird ein zweiter Arm, der Allergien fördert, zum Beispiel durch Immunglobulin E, vehement unterdrückt.

Je mehr Details über das Immunsystem die Wissenschaftler zu Tage fördern, um so leichter wird es gelingen, besser gezielt als bisher die Immunabwehr zu lenken und fehlgesteuerte immunologische Abläufe zu korrigieren. Die Immuntherapie gegen Allergien ist ein Beispiel für den Erfolg dieser Forschung. Um so mehr ist die Forderung der Deutschen Gesellschaft für Immunologie zu unterstützen, die Nähe der Grundlagenforschung zur klinischen Medizin aufrechtzuerhalten.

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