Ärzte Zeitung, 11.01.2008

Neue Turbo-Immuntherapie für Heuschnupfen-Kranke

Behandlung dauert nur fünf Wochen  / Weniger Symptome schon nach acht Wochen

MÜNCHEN (sto). Patienten mit allergischer Rhinitis, etwa durch Pollen ausgelöst, oder allergischer Konjunktivitis können jetzt mit einer neuen, besonders schnellen Immuntherapie desensibilisiert werden. Die Aufdosierung bis zur Maximaldosis geschieht an einem einzigen Tag. Die Behandlung kann daher auch noch kurz vor der Pollensaison gestartet werden.

 Neue Turbo-Immuntherapie für Heuschnupfen-Kranke

Einem Patienten wird subkutan ein Allergenextrakt gespritzt. Die Hyposensibilisierung ist auch noch kurz vor der Pollensaison möglich.

Foto: PD Kleine-Tebbe

Das neue Allergoid Depiquick™ ist ab heute in Deutschland erhältlich. Hiermit wird die Maximaldosis durch zwei subkutane Injektionen im Abstand von 30 Minuten schon am ersten Tag der Behandlung erreicht. Das berichtete Privatdozent Randolf Brehler von der Universitätsklinik Münster. Die weitere Behandlung nach der raschen Aufdosierung erfolgt in wöchentlichen Abständen mit fünf weiteren Maximaldosen. Die gesamte Therapie dauere somit nur fünf Wochen, betonte der Allergologe bei einer Veranstaltung von Novartis in München.

Die gute Wirksamkeit des neuen Allergoids belegt eine Studie mit 60 Patienten mit durch Graspollen-bedingter allergischer Rhinitis. Das Präparat wurde in der Pollenkammer mit Placebo verglichen. Die Kurzzeit-Immuntherapie verringerte die nasalen Symptome - beurteilt nach einer Skala von 0 bis 3 (keine bis starke Beschwerden) - signifikant um 35 Prozent. Bereits acht Wochen nach Beginn der Therapie sei in der Verumgruppe eine Besserung der Symptome aufgetreten.

Das neue Allergoid ist auch gut verträglich, wie eine prospektive Kohortenstudie bei 1068 Patienten mit Rhinokonjunktivitis und/oder allergischem Asthma ergeben hat. Die Symptome waren durch Hausstaubmilben oder Pollen ausgelöst. Zehn Prozent der Studienteilnehmer waren Kinder. Bei den 2136 Injektionen sei es nur in sieben Fällen zu klinisch relevanten lokalen Reaktionen gekommen, so Brehler. Das sei bei anderen spezifischen Immuntherapien ähnlich. Schwere systemische Reaktionen seien nicht aufgetreten.

In einer weiteren Studie wurde das Allergoid mit dem konventionellen dreiwöchigen Aufdosierungsschema von depigmentierten Allergoiden verglichen. Es nahmen 303 Patienten mit allergischer Rhinitis und Rhinokonjunktivitis ohne Asthma teil. Bei beiden Behandlungsschemata gab es hinsichtlich der Verträglichkeit keine Unterschiede, wie Brehler berichtete.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »