Ärzte Zeitung online, 23.04.2008

Verunreinigtes Heparin offenbar in elf Ländern

NEW YORK (dpa). Der verunreinigte Gerinnungshemmer Heparin aus China ist inzwischen in elf Ländern aufgetaucht. Wie die US- Gesundheitsbehörde FDA auf ihrer Internetseite mitteilte, sind unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Dänemark und China selbst betroffen.

In den USA wurden 81 Todesfälle gemeldet, die mit dem belasteten Medikament in Zusammenhang stehen könnten. Ein eindeutiger Bezug ist bisher allerdings noch nicht nachgewiesen.

Das aus Schweinedärmen gewonnene Heparin wird unter anderem bei der Dialyse und bei Herzoperationen eingesetzt. Es soll die Blutgerinnung verhindern. Den verunreinigten Produkten ist den Angaben zufolge ein billigerer Wirkstoff beigemischt, der Allergien, Atemprobleme, Übelkeit, Erbrechen und einen starken Blutdruckverlust auslösen kann, im schlimmsten Fall sogar einen tödlichen Schock.

Wie die "New York Times" am Dienstag berichtete, hat die US-Gesundheitsbehörde zwölf chinesische Firmen identifiziert, die belastetes Heparin verkauft haben. Die chinesische Seite bezweifelt die Erkenntnisse. Da allergische Reaktionen nur in den USA aufgetaucht seien, müsse das Problem in Amerika liegen, sagte ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington. Die FDA plant Kontrollen in China, hat dafür bisher aber noch kein grünes Licht von Peking.

In Deutschland hatte der schleswig-holsteinische Heparin-Hersteller Rotexmedica (Trittau) Anfang März bestimmte Chargen des Medikaments wegen der Gefahr allergischer Reaktionen zurückgerufen. Das US-Pharmaunternehmen Baxter nahm schon Ende Februar nach Bekanntwerden der ersten Verdachtsfälle fast alle Heparin-Produkte vom Markt. Auch in Kanada, Japan, Australien und Neuseeland ist verunreinigtes Heparin aufgetaucht.

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