Ärzte Zeitung online, 27.01.2009

Molekularer Mechanismus der Anaphylaxie entschlüsselt

HEIDELBERG (eb). Heidelberger Wissenschaftler haben einen molekularen Mechanismus für den anaphylaktischen Schock entdeckt. Auslöser sind spezielle Proteine, die auf den Zellwänden von kleinen Blutgefäßen sitzen. Im Mausmodell konnten die Forscher die Proteine genetisch ausschalten. Nun hoffen sie auf die Entwicklung neuer Medikamente.

Die bei einem anaphylaktischen Schock freigesetzten Mediatoren entfalten ihre Wirkung über G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, schreiben die Forscher um den Pharmakologen Professor Stefan Offermanns. Diese Rezeptoren befinden sich auf verschiedenen Körperzellen, unter anderem in den Blutgefäßwänden. Sie lösen Signale in den Zellen aus, die wiederum die typischen Symptome der anaphylaktischen Reaktion zur Folge haben.

"Im genetischen Mausmodell konnten wir zeigen, dass überraschenderweise die selektive Ausschaltung der für die G-Proteine Gq und G11 kodierenden Gene in den Gefäßwandzellen zu einem Schutz der Tiere gegenüber schwersten anaphylaktischen Reaktionen führt", erklärt Offermanns. Die Mäuse waren aber nicht nur vor den Reaktionen einer Anaphylaxie geschützt, ihre Kreislaufregulation blieb auch ungestört.

Die Wissenschaftler hoffen nun auf eine baldige Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung und Vorbeugung des allergischen Schocks.

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