Ärzte Zeitung, 11.03.2009

Sublinguale Immuntherapie hat Vorteile

Patienten können sich selbst behandeln / Rasche Aufdosierung mit Tropfen

HAMBURG (ugr). Außer der subkutanen Immuntherapie hat sich inzwischen auch die sublinguale Immuntherapie (SLIT) in der Praxis zur Therapie bei allergischer Rhinokonjunktivitis etabliert. Sie ist nicht nur gut wirksam und gut verträglich, sondern kann auch von den Patienten selbst angewendet werden.

Sublinguale Immuntherapie hat Vorteile

Gräserpollen sind häufige Auslöser einer Rhinitis.

Foto: godfer © www.fotolia.de

"Viele Patienten bagatellisieren ihre Beschwerden, verwechseln sie mit einem einfachen Schnupfen und verzichten auf eine Therapie", sagte Professor Ludger Klimek aus Wiesbaden. Erst bei persistierender Problematik, einem Etagenwechsel hin zu allergischem Asthma oder chronischen Nebenhöhlenentzündungen begäben sich Betroffene in erneute ärztliche Behandlung.

Option für Patienten mit Spritzenangst

Die SLIT ist mittlerweile eine gute Alternative zur subkutanen Immuntherapie, etwa für Patienten mit Angst vor der Spritze. Ein großer Vorteil sei darüber hinaus für viele Patienten, dass die SLIT einfach zu Hause anwendbar ist, weil Tropfen oder Tabletten regelmäßig selbst verabreicht werden können, sagte Professor Kristian Reich vom Dermatologikum Hamburg bei der von dem Unternehmen Allergopharma ausgerichteten Veranstaltung in Hamburg. Ein weiterer Vorteil der SLIT: Diese Art der Immuntherapie könne jederzeit gestartet werden, so der Experte.

Im Hamburger Dermatologikum werden inzwischen 50 Prozent der neu hyposensibilisierten Patienten mit einer SLIT behandelt. Aktuellen Studien zufolge kommt es mit einer dreijährigen Immuntherapie bei etwa 80 Prozent der Patienten zu einer deutlichen Symptomlinderung und zu niedrigerem Verbrauch an Medikamenten wie Antihistaminika.

Begonnen werden sollte auch die SLIT durch einen Allergologen, so die Experten. Bei Behandlung mit dem hochdosierten 6-Gräserpollenextrakt AllerSlit® forte etwa erhalten die Patienten 175 Prozent der täglichen Erhaltungsdosis innerhalb einer halben Stunde. Verträgt der Patient das Präparat, ist die Aufdosierung nach einer weiteren halben Stunde unter ärztlicher Beobachtung abgeschlossen. Ab dem zweiten Tag sei dann eine selbstständige Anwendung zu Hause möglich, so Reich.

Die Gefahr des Therapieabbruchs besteht vor allem in den ersten Wochen, wenn die hochdosierten Präparate unerwünschte Wirkungen wie Kribbelgefühl und Schwellungen in der Mundschleimhaut auslösen können. Anaphylaxien wurden bislang nicht beobachtet, sind jedoch nicht ausgeschlossen. Reich: "Diese unerwünschten Wirkungen und Strategien zu ihrer Vermeidung sollten bereits vor Therapiebeginn mit den Patienten besprochen werden. Wir bestellen unsere Patienten außerdem zwei bis sechs Wochen nach der Aufdosierung und dann alle drei Monate erneut ein." Das Unternehmen bietet drei SLIT-Präparate an, und zwar zur Therapie bei Allergien gegen Gräser-, Roggen- und Birkenpollen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »