Ärzte Zeitung online, 11.11.2009

Zahnmediziner plädiert für Amalgam als Füllung

GREIFSWALD (dpa). Amalgam als Zahnfüllung ist nach Expertenmeinung besser als sein Ruf. Der Greifswalder Zahnmedizinprofessor Georg Meyer plädierte für eine weitere Nutzung des quecksilberhaltigen Materials. Amalgam sei eine äußerst stabile Legierung aus Silber, Zinn, Kupfer und Quecksilber.

Meyer, der wissenschaftliches Mitglied des Weltzahnärzteverbands ist, forderte daher eine Ausnahmeregelung für Amalgam bei einem geplanten weltweiten Quecksilberverbot. Eine Vielzahl Studien hätten bisher keine Hinweise ergeben, dass diese Füllungen gesundheitsschädlich seien, sagte Meyer am Dienstag in Greifswald.

"Ein Verbot von Amalgam, das haltbarer und sicherer ist als alle anderen plastischen Füllungsmaterialien, würde in vielen Ländern dazu führen, dass sich die Menschen keine Zahnfüllungen mehr leisten könnten", sagte Meyer. Er verwies auf Studien amerikanischer Kollegen, die die Mehrkosten nach einem möglichen Amalgam-Verbot für die USA allein auf drei bis vier Milliarden Dollar beziffern. Die als Alternative gepriesenen Kunststofffüllungen bergen laut Meyer mechanische und biologische Risiken. So seien Kunststofffüllungen weniger haltbar, teurer und könnten zudem Allergien auslösen.

Die vom Weltzahnärzteverband (FDI) präsentierten Daten gehen davon aus, dass die anteilige Umweltbelastung durch Dentalquecksilber auf der Erde nur rund 0,1 bis 0,7 Prozent der Gesamtbelastung mit Quecksilber ausmachen. Die Umweltbelastung durch Quecksilber, das in vielen Entwicklungsländern bei der Goldgewinnung eingesetzt werde, liege wohl in einem zweistelligen Prozentbereich. "Folgerichtig müsste eher Gold als Amalgam verboten werden." Meyer wurde vor kurzem im Singapur auf dem 97. Weltzahnärztekongress als Mitglied des siebenköpfigen Wissenschaftskomitees des FDI gewählt.

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