Ärzte Zeitung online, 06.08.2011

Virtuelle Patienten bereiten Kinderärzte auf Notfälle vor

HEIDELBERG (eb). An der Uniklinik Heidelberg trainieren Kinderärzte und Pflegende am Computer an virtuellen Patienten das Vorgehen bei Notfällen bei Kindern. Praktische Übungen ergänzen das Training.

Selbst in großen Kinderkliniken wie dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg sind Notfälle bei Kleinkindern längst nicht alltäglich.

Gerade junge Ärzte und Pflegekräfte hätten die nötigen Maßnahmen zwar erlernt, fühlten sich im Ernstfall aber bisweilen unsicher, teilt die Uniklinik Heidelberg mit.

Hier setzt ein neuartiges und bisher einmaliges Schulungskonzept des Uniklinikums an: Damit können Kinderärzte und Pflegende am Computer an virtuellen Patienten, kombiniert mit praktischen Übungen, das Vorgehen bei Notfällen bei Kindern trainieren.

Das Weiterbildungskonzept, das die Experten des Zentrums für virtuelle Patienten sowie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin ausarbeiteten, wird von der Klaus Tschira Stiftung finanziell unterstützt.

Kommunikation im Team ist gefragt

Umfragen im Vorfeld hätten ergeben, dass sowohl Ärzte als auch Kinderkrankenschwestern und -pfleger Bedarf für eine solche Weiterbildung sehen, heißt es in der universitären Mitteilung.

"Häufig wurde zudem der Wunsch geäußert, die Kommunikation im Team während eines Notfalls zu üben", so Dr. Sören Huwendiek, der gemeinsam mit Professor Martin Haag von der Fachhochschule Heilbronn das Zentrum für virtuelle Patienten leitet.

Das neue Schulungsprogramm richtet sich daher gezielt an das gesamte Behandlungsteam: Nach einem vorbereitenden Selbststudium trainieren Ärzte und Pfleger beim eintägigen Praxisteil gemeinsam das Vorgehen bei Notfällen bei Kindern und dabei auch die klare und zielführende Kommunikation.

"Ein solches Training existiert im Bereich der ärztlichen Weiterbildung bisher nicht, und erst recht nicht kombiniert für Ärzte und Pflegende", wird Huwendiek in der Mitteilung der Uni zitiert.

Im Online-Forum kann mit Dozenten diskutiert werden

Die Teilnehmer erhalten über ein Internetportal Zugang zu aktueller Literatur, Leitlinien und jeweils zehn virtuellen Patienten. Wie im Klinikalltag führen die Nutzer selbstständig Untersuchungen durch, stellen eine Diagnose und leiten die Therapie ein.

Das Programm gibt Rückmeldung über den Erfolg der Behandlung. Im Online-Forum können die Kursteilnehmer untereinander oder mit den Dozenten diskutieren.

Der Theorie folgt ein praktischer Trainingstag: Unter Anleitung didaktisch geschulter Experten üben die Teilnehmer unter realistischen Bedingungen etwa die Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern mit epileptischem Anfall, Bewusstlosigkeit, Vergiftungen, allergischem Schock oder Herzstillstand.

Zum Einsatz kommen dabei moderne Patientensimulatoren - realistisch gestaltete Puppen, die auch bestimmte Körperfunktionen und Krankheitssymptome imitieren.

Trainingsprogramm ist schon ausgezeichnet worden

Schon vor dem Start der Schulungen 2012 ist das kombinierte Trainingsprogramm auf dem 2. Internationalen Kongress "Research in Medical Education" (RIME) des Kompetenzzentrums für Hochschuldidaktik in Medizin der Universität Tübingen im Mai 2011 mit dem RIME-Award ausgezeichnet worden.

Der Preis in der Kategorie "E-Media for Learner, Teachers and Examiners" ist mit 1500 Euro dotiert.

Weitere Infos zum Zentrum für virtuelle Patienten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »