Ärzte Zeitung online, 20.02.2013

Heuschnupfen

Fraglicher Nutzen der Akupunktur

Akupunktur gegen allergische Rhinitis: Eine deutsche Studie findet einen positiven Nutzen für die Heilmethode mit den Nadeln. Bloß mit der Signifikanz ist es so eine Sache.

Fraglicher Nutzen der Akupunktur

Nadeln gegen Heuschnupfen.

© ingram Publishing / Thinkstock

BERLIN. Deutsche Wissenschaftler haben untersucht, ob sich saisonale allergische Rhinitis mit Akupunkturnadeln behandeln lässt. Die Ergebnisse fielen zwar positiv aus. Doch die Effekte waren so klein, dass ihre klinische Relevanz fraglich ist.

Neben Medizinern der Berliner Charité, darunter der Studienleiter Benno Brinkmann, arbeiteten Ärzte von fünf weiteren Kliniken und 32 ambulanten Einrichtungen an der randomisierten und kontrollierten Studie mit. 422 Pollenallergiker nahmen teil.

212 von ihnen wurden ab Beginn des Birkenpollenflugs über einen Zeitraum von acht Wochen zwölfmal akupunktiert, daneben durften sie auf Cetirizin und gegebenenfalls orale Kortikoide als Bedarfsmedikation zurückgreifen.

102 Probanden erhielten eine Scheinakupunktur und die genannten Bedarfsmedikamente, 108 Teilnehmer wurden nur medikamentös behandelt (Ann Intern Med 2013; 158(4): 225).

Am Ende der achtwöchigen Akupunkturphase, nach weiteren acht Wochen und nach einer achtwöchigen Vergleichsphase im Jahr darauf wurde der Therapieerfolg verglichen.

RQLQ-Score war nach acht Wochen gesunken

Als Messinstrument dienten primär das "Rhinitis Quality of Life Questionnaire" (RQLQ), das mit 28 Fragen aus sieben Bereichen etwaige Beeinträchtigungen abfragt. Der gebildete Mittelwert liegt zwischen 0 (keine Beeinträchtigung) und 6 (schwer beeinträchtigt).

Gemessen wurde auch die durchschnittlich pro Woche nötige "Rettungsmedikation" (RM); die Punktwerte reichten hier von 0 (keine Medikation) bis 21 (täglich Kortikoide).

Als Wirknachweis definierten die Forscher eine Verminderung des RQLQ-Wertes um 0,5 und eine Reduktion des RM-Wertes um 1,5 Punkte.

Zu Beginn der Studie hatten die RQLQ-Werte in der Akupunkturgruppe bei durchschnittlich 2,7, in der Scheinakupunkturgruppe bei 2,3 und in der Gruppe mit nur medikamentöser Therapie bei 2,5 gelegen. Für RM schlugen im Schnitt 2,3, 2,6 und 3,2 Punkte zu Buche.

Nach acht Wochen, also am Ende der Akupunkturphase, war der RQLQ-Score gesunken, und zwar um 1,0 (Akupunktur), 0,5 (Scheinakupunktur) bzw. 0,3 Punkte (Medikamente). Das ergab zwar eine signifikante Reduktion zugunsten der Akupunktur.

Die Konfidenzintervalle waren allerdings so breit, dass der definierte Schwellenwert nicht sicher erreicht wurde. Für RM ergaben sich Minderungen um 1,5, 0,4 und 0,05 Punkte - mit gleicher Einschränkung bezüglich der Intervallgrenzen.

"Klinische Bedeutung der Resultate bleiben unklar"

Weitere acht Wochen später waren alle Unterschiede verschwunden. Nach der Kontrollphase im Jahr darauf zeigten sich signifikante, gleichwohl unterschwellige Vorteile der Akupunktur gegenüber der Scheinakupunktur. Die Differenzen zur alleinigen Medikation waren statistisch unbedeutend.

Zumindest solange die Nadeln gesetzt werden, lässt sich rechnerisch an den Studienergebnissen also ein signifikanter Nutzen der Akupunktur bei saisonaler allergischer Rhinitis ablesen.

"Die klinische Bedeutung dieser Resultate bleibt aber unklar", räumen die Forscher ein. Künftige Untersuchungen müssten klären, welche möglichen Mechanismen etwaigen Effekten zugrunde lägen - ein Satz, der Artikel über Akupunkturstudien so signifikant häufig wie bedeutungsunklar beschließt. (rb)

[26.02.2013, 10:01:23]
Dr. Josef Hummelsberger 
Akupunktur wirkt offensichtlich bei Heuschnupfen
Bei der Darstellung der "Ärztezeitung" sieht man, wie unterschiedlich valide wissenschaftliche Daten beurteilt werden können: Die Verum-Akupunktur war nach 8 Wochen der Sham-Akupunktur hochsigifikant überlegen, was für eine spezfische Akupunkturwirkung spricht - bestätigt durch andere Studien und damit nach EBM-Kriterien als wirksam einzustufen.

Das nach dem weiteren Beobachtungszeitraum dann alle Grupen wieder angenähert liegt ja wohl in der Natur des Heuschnupfenverlaus und das es keine objektivierbare Meßinstrumente dafür gibt!

Der letzte Satz in der Zuasmmenfassung ist ja offensichtlich nicht von den Autoren sondern weil nich sein kann was nicht sein darf politisch gemeint. Im Editorial zur Studie wird dann aber klar formuliert, dass eigentlich für Heuschnupfen Akupunktur als wirksamn eingestuft wird, dass mehr Forschung in die Wikrmechanismen und auch Vergleich zu Standardmedikation gehen muss.

Also für den "Ärztezeitung"-Kommentator: ruhig mal tiefer reinlesen ...


 zum Beitrag »
[20.02.2013, 08:25:21]
Steffen Jurisch 
Blödsinn und Zeitverschwendung
Solche Artikel sind für die Katz und können lediglich als Zeitvertreib gelten - und wenn die "Tests" genau so aufgebaut und durchgeführt wurden, wie beschrieben, dann ist das eine Verschwendung von guten Geldern. Wo kommt die Akupunktur her? Aus der TCM! Arbeitet die TCM ausschließlich mit dem setzen von Nadeln? Nein!

Die TCM ist ein ganzheitlicher Therapieansatz - man kann nicht nur die Nadeln und die dazugehörigen Akupunkturpunkte nehmen und "beweisen" wollen ob oder ob die Akupunktur nicht hilf. Es gehört eine ordentliche Anamnese, jedes Einzelnen, dazu - eine individuelle. Die Akupunkturpunkte werden dann auch je nach Mensch und Gegebenheit individuell "gestochen". Oberflächlich mag das für den Schulmediziner gleich aussehen... und es gehört auf jeden Fall auch die Ernährung dazu. Aber diese spielt ja in der schulmedizinisch-wissenschaftlichen Betrachtungsweise nie eine Rolle.
Also, was soll dem Leser hier wieder einmal beigebracht werden?

Ich denke die Schulmedizin sollte sich nur mit dem befassen was sie wirklich gut kann und wo sie spitzenmäßig ist - auf das Zusammenpuzzeln von durch Unfälle zerbröselten Körpern. Da kann keine Alternative Methode auch nur auf Augenhöhe mitziehen. Aber bei den anderen "Krankheiten" sollte sie sich mit Bewertungen einfach zurückhalten... zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Grippezeit ist Herzinfarktzeit

Wenn plötzlich viele Atemwegskranke in der Notaufnahme auftauchen, können sich die Ärzte sicher sein: Ein bis drei Wochen später steigt die Zahl der Herzkreislauftoten. Wie stark, das lässt sich ziemlich genau berechnen. mehr »

Einzelpraxis bleibt am beliebtesten

13:50 Einzelkämpfer oder Teamplayer? Unter den Ärzten scheinen erstere zu dominieren. Zumindest legen das aktuelle Zahlen von apoBank und KBV nahe. mehr »

Diese fünf Teams sind im Rennen

Der Galenus-Preis würdigt besondere Leistungen in der Grundlagenforschung. Die "Ärzte Zeitung" stellt die Forscherteams vor, die es in die Endrunde geschafft haben. mehr »