Ärzte Zeitung, 19.02.2014

Kardiologie

Metall im Herz allergologisch unbedenklich

JENA. Ein Hosenknopf, eine Münze oder eine Uhr - für Menschen mit einer Nickelallergie können sie gefährlich werden.Etwa jeder zehnte Deutsche reagiert auf Hautkontakt mit Nickel allergisch.

"Daher stellt sich die Frage nach der Sicherheit von Implantaten im medizinischen Bereich, die Nickel enthalten", erläutert Professor Markus Rettenmayr in einer Mitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Denn in Folge von Korrosion setzen Nickeltitanlegierungen, die in zunehmendem Maße als kardiovaskuläre Implantate bei minimalinvasiven Eingriffenzur Behebung von Defekten der Herzscheidewand dienen, setzen geringe Mengen an Nickel frei, erläutert der Inhaber des Lehrstuhls für Metallische Werkstoffe.

Langfristig, so bisherige Befürchtungen, könnte es zur Nickelbelastung und gesundheitlichen Problemen kommen. Doch das ist nicht der Fall: Wie die Uni Jena mitteilt, ist die Nickelfreisetzung aus solchen Legierungen auch über längere Zeiträume sehr gering. Belegt haben sie das mit einer Studie (Acta Biomater 2014; online 10. Januar).

Statt der gesetzlich vorgeschriebenen Testphase für implantierbare Medizinprodukte von wenigen Tagen haben sie das Auswaschverhalten von Nickel über acht Monaten untersucht. Untersuchungsobjekte der Forscher um Rettenmayr und und seinen Kollegen Dr. Andreas Undisz waren feine Drähte aus einer superelastischen Nickeltitanlegierung, die z. B. für Okkluder - medizinische Implantate zur Behebung von Defekten der Herzscheidewand - verwendet werden.

Ein Okkluder besteht aus zwei drahtgeflochtenen Schirmchen, die etwa die Größe einer Ein-Euro-Münze haben, und lässt sich mechanisch zu einem dünnen Strang ziehen, der in einem Herzkatheter Platz findet.

"Dadurch lassen sich die Okkluder über minimal-invasive OP-Verfahren platzieren", sagt Dr. Undisz. Im Idealfall trägt der Patient das Implantat anschließend über viele Jahre im Körper.

Um zu testen, was während dieser Zeit mit dem Nickeltitandraht passiert, haben Dr. Undisz und Doktorandin Katharina Freiberg Proben der Drähte nach unterschiedlicher mechanischer und thermischer Beanspruchung in hochreines Wasser eingelegt und das freiwerdende Nickel nach definierten Zeitintervallen bestimmt.

"Das war alles andere als einfach", so Undisz, "denn die Konzentration des freiwerdenden Metalls bewegt sich häufig im Bereich der Nachweisgrenze". In Kooperation mit Forschern des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik des Uniklinikums Jena ist es den Materialwissenschaftlern jedoch gelungen, eine verlässliche Testroutine zu entwickeln, um den Verlauf der Nickelfreisetzung zu messen.

"Vor allem in den ersten Tagen und Wochen werden durchaus nennenswerte Mengen an Nickel frei", fasst Undisz die Befunde zusammen. Dies, so der Materialwissenschaftler weiter, sei vor allem auf die mechanische Beanspruchung des Implantats während der OP zurückzuführen.

"Dadurch wird die dünne Oxidschicht beschädigt, die das Material bedeckt, wodurch es zur erhöhten Nickelfreisetzung kommt." Auf lange Sicht aber bewege sich die Nickelkonzentration im Bereich weniger Nanogramm pro Tag und liege damit weit unterhalb der Menge, die wir ohnehin tagtäglich über die Nahrung zu uns nehmen. (eb)

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