Ärzte Zeitung online, 19.02.2014

Fünf-Jahres-Studie

Lokale allergische Rhinitis gibt's offenbar tatsächlich

Seit einigen Jahren wird vermutet, es existiere eine eigenständige Form der allergischen Rhinitis, bei der IgE-Antikörper ausschließlich lokal und nicht systemisch produziert werden. Dieser Verdacht hat sich nun erhärtet.

MÁLAGA. Die sogenannte lokale allergische Rhinitis (LAR) ist dadurch charakterisiert, dass sich spezifisches IgE nur im Nasensekret findet. Der Pricktest hingegen fällt negativ aus, spezifisches Serum-IgE ist nicht nachweisbar.

Das Aeroallergen mit der höchsten Relevanz sind Hausstaubmilben. Die Beschwerden treten persistent und das ganze Jahr über auf. Umstritten ist allerdings, ob es sich bei der LAR um den ersten Schritt in Richtung einer klassischen allergischen Rhinitis mit systemischer Atopie oder um eine eigenständige Entität handelt.

Eine Gruppe spanischer und französischer Forscher um die Allergologin Carmen Rondón (Málaga) hat deshalb eine prospektive Kohortenstudie ins Werk gesetzt, mit der über zehn Jahre hinweg Klarheit über den natürlichen Verlauf der LAR geschaffen werden soll (J Allergy Clin Immunol 2013, online 16. Dezember).

194 LAR-Patienten und 130 gesunde Kontrollpersonen sind daran beteiligt. Nun haben die Wissenschaftler die Zwischenergebnisse nach fünf Jahren vorgelegt.

Zwar hat sich inzwischen bei 6,8 Prozent der Patienten eine systemisch nachweisbare Sensibilisierung entwickelt - vor allem gegen Hausstaubmilben, gefolgt von Gräserpollen -, Gleiches gilt aber auch für 5,2 Prozent der Kontrollprobanden. Deutlich verschlechtert hat sich während der fünf Jahre das klinische Bild bei den LAR-Patienten.

Persistente Beschwerden (Symptome an mehr als vier Tagen der Woche für eine Dauer von mehr als vier Wochen) zeigen inzwischen 86,9 Prozent der LAR-Probanden; zu Studienbeginn waren es 64,8 Prozent gewesen.

Der Anteil der Patienten, die über schwere Symptome klagen, hat sich von 18,8 Prozent auf 39,2 Prozent erhöht. Medizinische Notfallhilfe wegen Rhinitis, Konjunktivitis oder einer Asthmaattacke hatten nach fünf Jahren 35,8 Prozent der Studienteilnehmer mit LAR in Anspruch nehmen müssen, gegenüber 17,6 Prozent zu Beginn der Untersuchung.

Die Daten sprechen eher gegen die Annahme, es handle sich bei der LAR um die Vorstufe zum Vollbild der systemischen allergischen Rhinitis. Vielmehr deuten sie darauf hin, dass die LAR tatsächlich ein eigenes Krankheitsbild darstellt.

Es könnte sich bei den von LAR Betroffenen um Patienten handeln, deren Diagnosen in der Vergangenheit beispielsweise auf nichtallergische Rhinitis mit Eosinophilie-Syndrom (NARES), vasomotorische oder idiopathische Rhinitis gelautet hätten. (rb)

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