Ärzte Zeitung, 14.07.2015

Einfluss auf Immunzellen

Mikrobiota schützt vor Allergien

Mikroben blockieren spezifisch jene Immunzellen, die für die Auslösung von Allergien ursächlich sind.

NEUHERBERG / PARIS. Der Körper jedes Menschen beherbergt ja eine einzigartige Kombination von Milliarden unterschiedlichster symbiotischer Bakterien.

Diese Mikrobiota ist an vielen Prozessen beteiligt wie etwa der Verdauung, der Synthese von Vitaminen und der Abwehr von Krankheitserregern. Ein Verlust dieser bakteriellen Symbionten begünstigt die Entstehung von Allergien, teilt das Helmholtz Zentrum München mit.

Das Team um Dr. Caspar Ohnmacht vom Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM) der TU München und des Helmholtz Zentrums München und Gérard Eberl, Leiter der Microenvironment and Immunity Unit am Institut Pasteur, hat nun gezeigt, dass symbiotische Darmbakterien das Immunsystem beeinflussen und dadurch allergische Reaktionen blockieren (Science 2015; online am 9. Juli).

Um den Organismus zu verteidigen, können verschiedene Immunantworten hervorgerufen werden, erinnert das Helmholtz Zentrum. Die Anwesenheit von Bakterien oder Pilzen verursacht eine Antwort von Typ-3-Zellen des Immunsystems.

Diese koordinieren dann die Phagozytose und das Abtöten der Mikroben. Ist ein Erreger aber zu groß, um von den Typ-3-Zellen bekämpft zu werden - wie zum Beispiel parasitische Würmer und bestimmte allergieauslösende Stoffe -, ist eine andere Gruppe von Zellen für die Beseitigung verantwortlich: die Typ-2- Zellen. Diese speziellen Immunzellen sind aber auch für allergische Reaktionen verantwortlich.

Die Forscher zeigten, dass Typ-3-Zellen, die bei einem mikrobiellen Kontakt aktiviert werden, direkt auf Typ-2-Zellen einwirken und ihre Aktivität blockieren. Somit sind Typ-2-Zellen nicht mehr in der Lage, allergische Immunantworten auszulösen. Durch ihren Einfluss auf die Typ-3-Zellen blockiert die Mikrobiota also indirekt die Typ-2-Immunantwort, so die Forscher.

Die Ergebnisse erklären, wie ein Ungleichgewicht in der Mikrobiota eine überschießende Typ 2-Immunantwort auslöst, die normalerweise für die Abwehr großer Parasiten eingesetzt wird - aber eben auch zu allergischen Antworten führen kann.

"Die Studie stellt einen wichtigen Meilenstein dar, um das Gleichgewicht unserer unterschiedlichen Abwehrmechanismen besser zu verstehen" wird Erstautor Caspar Ohnmacht in der Mitteilung zitiert.

"Ein bisher noch unerforschter therapeutischer Ansatz für die Behandlung von Allergien und anderen Typ 2 assoziierten Erkrankungen könnte darin bestehen, ein mikrobielles Antigen nachzuahmen, um dadurch Typ 3 Zellen zu aktivieren und so auch die allergieauslösenden Typ 2 Zellen zu blockieren." (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »