Ärzte Zeitung, 04.05.2016

 Allergologie

Kreuzallergien werden immer häufiger

Mindestens jeder zweite Pollenallergiker reagiert bereits auf bestimmte Obst- und Gemüsearten.

MÖNCHENGLADBACH. Die Zahl der Pollenallergiker, die unter Kreuzallergien leiden, nimmt nach Einschätzung von Fachleuten zu. Nach Beobachtung des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) reagiert bereits mindestens jeder zweite Pollenallergiker auf bestimmte Obst- und Gemüsearten, wie etwa Birkenpollenallergiker auf Äpfel.

Experten überlegen fieberhaft, warum die Zahl der Kreuzallergien innerhalb einer Generation so zugenommen hat. Es gebe zwar einige noch nicht spruchreife Thesen und Untersuchungen, aber noch keinen Durchbruch, so Professor Ludger Klimek vom Allergiezentrum Wiesbaden.

"Ich glaube, es hängt wirklich damit zusammen, wie unser Immunsystem gefordert und gefördert wird. Aber man kennt den einen Grund nicht."

Nur sehr wenige Patienten, die zu Klimek kommen, ist dieser Zusammenhang klar: "Die allermeisten sagen: Ich kenne das Problem, dass ich Heuschnupfen habe. Jetzt komme ich, weil ich viele Nahrungsmittel nicht vertrage", sagt Klimek.

Es sei auch sehr schwierig, diesen Zusammenhang zu erkennen.Denn Kreuzreaktionen können das ganze Jahr auftreten, auch ohne Pollenflug. Außerdem ist Apfel nicht gleich Apfel, wie DAAB-Sprecherin Sonja Lämmel schildert: Es gibt Sorten, bei denen das Polyphenol herausgezüchtet wird, um die Braunfärbung beim Anschnitt zu verhindern. "Je weniger Polyphenol, desto häufiger die Allergieauslöser", sagt sie.

Auch Klimek macht deutlich, wie sehr es bei der Spurensuche manchmal aufs Detail ankommt: "Wie werden die Äpfel angebaut, wann wird geerntet. Bis hin zu Transport und Lagerung gibt es viele Einflüsse, wie sich Inhaltsstoffe und Allergene verändern.

Das macht es leider für die Betroffenen sehr kompliziert." Dazu kommen, nach Angaben des DAAB, noch andere Faktoren, die die allergischen Reaktionen beeinflussen können: Sport, Pollenflug oder Alkohol. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »