Ärzte Zeitung, 01.06.2004

Bei Exazerbation einer COPD reichen oft Beta-2-Mimetika

Bei adäquater Versorgung zu Hause, geringer Atemnot und gutem Allgemeinzustand kommt ambulante Therapie in Frage / Tips zur Behandlung

WIESBADEN (ikr). Patienten mit chronisch-obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD), die häufig Exazerbationen haben, haben eine deutlich schlechtere Prognose als andere Patienten. "Es ist daher wichtig, Exazerbationen zu vermeiden oder zumindest früh zu erkennen und dann effektiv zu behandeln", so Professor Heinrich Worth aus Fürth beim Internistenkongreß in Wiesbaden. Hierzu gab der Pneumologe einige praktische Tips.

Exazerbationen bei COPD-Patienten werden nach Angaben von Worth immer noch häufig übersehen. Man erkennt sie daran, daß die Symptome sich akut verschlechtern, so daß eine Änderung der Medikation erforderlich wird. Typische Zeichen sind die Zunahme der Atemnot sowie eine Zunahme der Sputummenge. Ein weiteres Kriterium ist die zunehmende Verfärbung des Sputums bis hin zur Purulenz als Zeichen einer bakteriellen Infektion. Typisch sind auch die Abnahme der Belastbarkeit und eine leichte Ermüdbarkeit.

Patienten mit Exazerbationen müssen nicht unbedingt stationär behandelt werden. Eine ambulante Therapie könne, so Worth, erwogen werden, wenn eine adäquate Versorgung des Patienten zu Hause gewährleistet erscheint, die Atemnot gering und der Allgemeinzustand recht gut ist. Es sollten außerdem keine signifikante Komorbidität, etwa eine kardiovaskuläre Erkrankung, oder Veränderungen der Thoraxorgane im Röntgenbild vorhanden sein.

"Vielen COPD-Patienten mit Exazerbation können wir mit kurzwirksamen Beta-2-Mimetika, initial 100 bis 200 Mikrogramm eines Dosier-Aerosols oder Pulverinhalators, gut helfen", sagte Worth. Bessere sich der Zustand des Patienten damit nicht ausreichend, könne zusätzlich ein Anticholinergikum angewandt werden. Dieses müsse aber ausreichend hoch dosiert werden, etwa 250 bis 500 Mikrogramm Ipratropiumbromid.

Genügt dies immer noch nicht, empfiehlt der Pneumologe aus Fürth eine systemische Behandlung mit Glukokortikoiden. Bewährt habe sich etwa eine 10- bis 14tägige orale Behandlung mit 20 bis 40 mg/d Prednisolonäquivalent. Durch eine kurzzeitige, systemische Kortikoid-Therapie wird der Klinikaufenthalt verkürzt, wie eine kontrollierte Studie ergeben hat. Außerdem wird die Rezidivrate nach überstandener Exazerbation gesenkt.

Eine langfristige Therapie mit systemischen Glukokortikoiden sei aber nicht ratsam, so Worth. Es gebe Hinweise aus Studien, daß das den Patienten meist mehr schadet als nützt.

Theophyllin intravenös kommt bei Patienten mit Exazerbation einer COPD erst dann in Frage, wenn die zuvor genannten Medikationen nicht mehr ausreichen. Patienten mit respiratorischer Insuffizienz benötigen zusätzlich zur medikamentösen Therapie eine Sauerstofftherapie oder gar eine nicht-invasive Beatmung. Bei purulentem Sputum liegt meist eine bakterielle Infektion vor. Es sollte daher zusätzlich eine Antibiotikatherapie erfolgen, je nach lokaler Resistenzlage vorzugsweise mit Aminopenicillinen, gebenenfalls plus Beta-Laktamase-Hemmern, oralen Cephalosporinen oder Makroliden.

STICHWORT

Prophylaxe einer COPD-Exazerbation

Zur Prophylaxe einer COPD-Exazerbation empfiehlt die Deutsche Atemwegsliga: Raucherentwöhnung, Meiden von inhalativen Noxen (Arbeitsplatz, Hobby) und Kälte, Schutzimpfungen (Influenza, Pneumokokken), inhalative Anticholinergika, Mukopharmaka/Antioxidantien (N-Acetylcystein, Ambroxol), inhalative Kortikoide, langwirksame Beta-2-Sympathomimetika und Patientenschulung.

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