Ärzte Zeitung, 30.06.2004

Gemächlich schwebende Partikel verbessern die Inhalationstherapie

Neuer Inhaler bugsiert noch mehr Wirkstoff in die Lunge / Sprühdauer von 1,5 Sekunden

BAD REICHENHALL (wst). Mit einem neuen Applikationssystem wird die inhalative Therapie für Asthmatiker und Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) einfacher und effektiver. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Dosieraerosol gelangt mit dem neuen Gerät zwei bis dreimal soviel Wirkstoff in die Lunge, wodurch die Hubdosen reduziert werden können.

Ein Kind beim Peak-flow-Test. Damit der bei Asthma-Patienten gut ausfällt, kann eine Inhalationstherapie nötig sein. Foto: DAK/Atemwegsliga

Das handlich kleine Inhalationssystem Respimat® Soft Inhaler, das vorerst auf die Anwendung der Kombination von Fenoterol und Ipratropium beschränkt ist, benötigt weder Treibgas noch Batterie, um optimal zu funktionieren. Aus der auswechselbaren Wirkstoffkartusche wird die Ladekammer des Gerätes dosisgenau durch das Spannen einer integrierten Druckfeder gefüllt, wie Privatdozent Dr. Thomas Voshaar vom Krankenhaus Bethanien in Moers beim Bad Reichenhaller Kolloquium erklärte.

Wird der Auslöseknopf gedrückt, preßt die sich entspannende Feder den flüssigkeitsgelösten Wirkstoff mit einem Druck von 250 Bar durch zwei getrennte Düsen. Die Düsen stehen so zueinander, daß die beiden Flüssigkeitsstrahlen hochenergetisch aufeinander prallen und dabei aerosolisiert werden. Dabei würden über 70 Prozent der Aerosolpartikel in einer gut lungengängigen Größe von unter 5,8 µm generiert, so Voshaar bei einem vom Unternehmen Boehringer Ingelheim ausgerichteten Symposium.

Bei einem herkömmlichen Dosieraerosol beträgt die Sprühdauer lediglich 0,2 Sekunden. Aus dem neuen Inhaler entfaltet sich die Aerosolwolke über 1,2 bis 1,5 Sekunden. Das heißt, es bedarf weniger Koordination, um möglichst viel der Sprühwolke einzuatmen. Dank der so reduzierten Anforderung an die Synchronisation könne der Applikator sogar von Pflegepersonal zur inhalativen Therapie bei Patienten genutzt werden, sagte Voshaar.

Mit einer Geschwindigkeit von 0,8 m/sec sind die Aerosolpartikel wesentlich langsamer im Vergleich zu den herkömmlichen Geräten mit 3 bis 6 m/sec. Dadurch gelangen die Partikel auch strömungsmechanisch effektiver in die tiefen Atemwege.

Untersuchungen mit gesunden Probanden hätten gezeigt, daß mit dem neuen System durchschnittlich 39 Prozent eines markierten Wirkstoffes in der Lunge ankommen - bei einem herkömmlichen Dosieraerosol ohne Spacer seien es nur elf Prozent, so Voshaar. Deshalb sei bei dem seit Januar 2004 erhältlichen Berodual® Respimat® die Fenoterol- und Ipratropium-Dosis pro Hub im Vergleich zum herkömmlichen Berodual® Dosieraerosol halbiert worden.

Weitere Substanzen und Substanzkombinationen für den im Prinzip universell beladbaren Inhaler werden erwartet.

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