Ärzte Zeitung, 19.01.2005

COPD-Kranke brauchen Tips zu energiereicher Ernährung

COPD ist eine Systemerkrankung / Patienten brauchen viel Energie / Ernährungsumstellung sollte Teil des Therapiekonzeptes sein

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) betrifft nicht nur das Atmungsorgan. Sie ist eine systemische Entzündung, die etwa auch die Muskulatur einbezieht und mit einer negativen Energiebilanz einhergeht. Internisten aus Frankfurt am Main und Mainz plädieren daher für eine engagierte Ernährungstherapie. Sie könne die Lungenfunktion, die Leistungsfähigkeit sowie die Prognose der Patienten deutlich bessern.

Von Thomas Meißner

Im Verlauf der COPD gelangen unter anderem große Mengen reaktiver Sauerstoffmetaboliten in den systemischen Kreislauf und führen dort zu einer systemischen Entzündung, berichten Privatdozent Joachim Bargon vom St.-Elisabethen-Krankenhaus in Frankfurt am Main und seine Kollegen (Medizinische Klinik 99, 2004, 719).

Damit sind auch Gefäße, Knochen und Muskeln am Gesamtbild der Erkrankung beteiligt. Häufige Exazerbationen verstärken die systemischen Effekte. Die Muskulatur ist biochemisch und morphologisch verändert. Immobilität, verminderte Muskelmasse und die Steroid-Therapie führen zu Osteoporose.

Die Dyspnoe verstärkt sich, wenn die Patienten essen

Die Energiebilanz von COPD-Patienten ist negativ: Wegen der vermehrten Atemarbeit wird viel Energie verbraucht, zugleich essen die Patienten zu wenig, etwa weil infektbedingt der Appetit gering ist, die Dyspnoe sich beim Essen verstärkt oder weil die Medikamente zu gastrointestinalen Beschwerden geführt haben. Die zunehmende Immobilität erschwert außerdem das Einkaufen und Kochen. Bereits bei einem Body Mass Index von unter 21 kg/m2 müsse bei COPD-Patienten von Untergewicht ausgegangen werden, so die Internisten. Das habe negative Auswirkungen auf ihre Lebenserwartung.

Mit der Umstellung der Ernährung, gegebenenfalls Zusatznahrung sowie körperlicher Aktivität könne die Leistungsfähigkeit COPD-Kranker signifikant gebessert werden. Basis der Ernährungsempfehlungen ist eine ausgewogene Mischkost entsprechend der bekannten Ernährungspyramide. Zusatznahrung könne immer dann rezeptiert werden, wenn die Patienten trotz entsprechender Ernährungsberatung ihr Gewicht nicht halten können, oder wenn sich der Ernährungszustand trotz der Empfehlungen nicht bessert.

Wichtig: Bei Zusatznahrung handelt es sich um eine weitere Energiequelle, sie ist kein Ersatz für eine Mahlzeit! Ob kohlenhydrat- oder fettreiche Zusatznahrung zu bevorzugen sei, werde kontrovers diskutiert, so die Experten. Für beide Strategien lägen Studien vor, die eine Besserung der Lungenfunktion belegen.

In einer weiteren Studie zur Rehabilitation von COPD-Patienten mit verminderter Muskelmasse nahmen bei Kombination von Zusatznahrung (400 bis 600 kcal pro Tag) und Sporttherapie das Körpergewicht und die Muskelmasse signifikant zu, und die Belastbarkeit erhöhte sich, etwa gemessen an der Griffstärke und der zurückgelegten Gehstrecke. Allerdings seien solche Effekte bei Kortikoid-Therapie weniger deutlich ausgeprägt.

Nahrung, die bei COPD sinnvoll ist

Für die Ernährungstherapie bei COPD-Patienten geben Privatdozent Dr. Joachim Bargon und seine Kollegen folgende Tips:

  • Erhöhen Sie die Eiweißzufuhr! Dafür eignen sich als Snacks für zwischendurch Milchshakes, Puddings, Joghurt- oder Quarkspeisen mit frischen Früchten, die zusätzlich mit Stärkezucker angereichert werden können. Geeignet sind auch Obstsalate mit Nüssen und Eiscreme.
  • Empfehlen Sie Omega-3-Fettsäuren! Sie sind besonders in Lachs, Hering und Makrele enthalten. Zum Nutzen von Fischöl-Präparaten gibt es bislang keine Studien.
  • Die Nahrung sollte energetisch angereichert werden. Dies gelingt etwa durch mit Käse gratiniertes Gemüse. Aufstrichfett darf großzügig verwendet, bei Käse und Wurst eine hohe Fettstufe gewählt werden. (ner)

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