Ärzte Zeitung, 04.04.2006

Bronchodilatator kann den Krankheitsverlauf bei COPD bremsen

Anticholinergikum stabilisiert die Lungenfunktion

NÜRNBERG (grue). Ein Wirkstoff, der die Bronchien erweitert, kann bei COPD-Patienten die Dyspnoe bessern und die Zahl der Exazerbationen verringern. Außerdem scheint sich bei einer Dauertherapie die Lungenfunktion weitgehend zu stabilisieren. Das könnte den weiteren Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.

Tiotropiumbromid (Spiriva®) ist ein langwirksames Anticholinergikum, das einmal täglich inhaliert wird. Bei Patienten mit mäßig schwerer und schwerer chronisch-obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) wirkt die Substanz über 24 Stunden bronchodilatierend und mindert die Atemnot. Deshalb wird in Leitlinien eine Dauertherapie mit langwirksamen Bronchodilatatoren wie Tiotropium empfohlen. Damit kann auch die Zahl der Exazerbationen verringert werden.

Wirkstoff hält Verschlechterung der Lungenfunktion auf

So war in einer Placebo-kontrollierten Studie die Exazerbationsrate bei Patienten mit Tiotropium nach einen Jahr um 35 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe. "Der Wirkstoff kann aber auch die weitere Verschlechterung der Lungenfunktion aufhalten", sagte Professor Roland Buhl von der Universität Mainz auf einer Veranstaltung der Unternehmen Boehringer Ingelheim und Pfizer in Nürnberg.

Der Pneumologe wies auf zwei Studien mit insgesamt 900 COPD-Patienten hin, die für ein Jahr mit Tiotropium in einer Dosierung von 18 Mikrogramm täglich oder mit Placebo behandelt worden waren.

Die Patienten können sich körperlich stärker belasten

Mit dem Bronchodilatator verschlechterte sich die Einsekundenkapazität (FEV1) zwischen dem achten und 344. Behandlungstag signifikant weniger als mit Placebo. Die Lungenfunktion wurde jeweils kurz vor der nächsten Inhalation gemessen. In der Verumgruppe nahm sie nur um 12 ml pro Jahr ab, in der Placebogruppe waren es 58 ml. Dies deute darauf hin, daß Tiotropium den Verlauf der COPD vermutlich günstig beeinflussen kann, sagte Buhl.

Der Wirkstoff erhöhe auch die körperliche Belastungsfähigkeit der Patienten, besonders in Kombination mit Reha. Für kurzwirksame Bronchodilatatoren seien krankheitsmodifizierende Effekte nicht zu erwarten, sagte Buhl. Diese Medikamente sind ohnehin nur für die Bedarfstherapie vorgesehen. Anders verhält es sich mit inhalativen Steroiden, die bei langfristiger Therapie ebenfalls die Zahl der Exazerbationen reduzieren und so womöglich zum Erhalt der Lungenfunktion beitragen.

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