Ärzte Zeitung, 04.04.2006

Untergewicht bei Patienten mit COPD ist gefährlich

Zu niedriges Körpergewicht erhöht Sterberate bei COPD / 60 Prozent der Patienten sind untergewichtig / Energiereiche Ernährung empfohlen

NÜRNBERG (grue). Bei zu niedrigem Körpergewicht ist die Sterberate von Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) erhöht. Die Patienten sollten von Anfang an auf ihr Gewicht achten, denn bei fortgeschrittener Erkrankung ist der Erfolg einer Aufbauernährung begrenzt.

Bis zu 60 Prozent der COPD-Patienten sind untergewichtig, hat Privatdozent Dr. Joachim Bargon aus Frankfurt am Main beim Pneumologie-Kongreß in Nürnberg berichtet. Nicht nur Fehler in der Ernährung seien dafür die Ursache, sondern auch die Krankheit selbst: Bei der COPD kommt es unter der Einwirkung von Entzündungsmediatoren zum Muskelabbau. Dieser wird durch die zunehmende Inaktivität der Patienten noch beschleunigt.

Außerdem erhöht die erschwerte Atmung den Energieverbrauch ständig, am stärksten jedoch bei körperlicher Belastung. "COPD-Patienten brauchen deshalb eine ausgewogene und energiereiche Ernährung", sagte Bargon. Fällt der Body Mass Index unter 21 kg/m2, sind COPD-Patienten bereits untergewichtig und sollten eine kohlenhydratreiche Zusatznahrung bekommen. Solcher Produkte werden bei Diagnose einer chronischen Erkrankung mit Untergewicht von der GKV bezahlt, sagte der Ernährungsexperte.

Nach seiner Erfahrung falle es COPD-Patienten schwer, ihren erhöhten Kalorienbedarf zu decken. Denn sie müßten zunächst das Rauchen aufgeben. "Greifen die Patienten während der Nikotinentwöhnung ständig zu Sorbitol-haltigen Kaugummis, bekommen sie davon Durchfall und können nicht genug Nährstoffe aufnehmen", so Bargon. "Manche sparen in dieser Zeit auch am Essen, weil sie eine Gewichtszunahme fürchten".

Das sei bei COPD-Patienten aber nicht der Fall, denn der Appetit sei bei wiederholten Infekten eher gering. Keinesfalls sollten die Patienten ihre Kalorienaufnahme erst dann steigern, wenn sie bereits deutlich Gewicht verloren haben.

"Bei schwerer COPD ist der Erfolg einer Ernährungsumstellung eher gering", so Bargon. "Auch bei älteren Patienten mit langjähriger COPD ist es schwer, das Gewicht durch bessere Ernährung dauerhaft anzuheben".

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