Ärzte Zeitung, 13.04.2007

Neues DMP für Asthmapatienten im Südwesten

KV Baden-Württemberg und Ersatzkassen schließen Vertrag / Auch COPD-Patienten können teilnehmen

STUTTGART. Fünf Jahre nach Start des "Mannheimer Modells" ist jetzt für ganz Baden-Württemberg ein Disease-Management-Programm (DMP) für Patienten mit Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung - kurz COPD - angelaufen.

Von Marion Lisson

Für Patienten mit Lungenerkrankungen gibt es in Baden-Württemberg jetzt ein DMP. Foto: sbra

Einen entsprechenden Vertrag haben die Ersatzkassenverbände VdAK/AEV und die KV Baden-Württemberg unterzeichnet. Bereits 600 Haus- und Fachärzte seien je Indikation in die Arztlisten eingeschrieben, berichtet Walter Scheller, Leiter der VdAK/AEV-Landesvertretung.

Im Jahr 2002 hatten Haus- und Fachärzte im Stadtkreis Mannheim mit ihrem Projekt zur integrierten Versorgung begonnen, Patienten mit Asthma oder COPD besser zu betreuen. Es folgten IV-Verträge in Südwürttemberg im Jahr 2004 und eine Ausweitung des Mannheimer Modells auf Nordbaden im Jahr 2005. Die Erfahrungen der Mediziner seien in das aktuelle DMP eingeflossen, bestätigt auch Markus Koffner, Sprecher der Ersatzkassen in Stuttgart. Im übrigen könnten die Mediziner ihren IV-Vertrag - wenn auch in modifizierter Form - als Ergänzung zum DMP weiterführen.

"Es geht darum, mit dem DMP die Lebensqualität der betreuten Kinder und Erwachsenen zu verbessern", fasst VdAK-/AEV-Chef Scheller zusammen. Und genau dies sei den Beteiligten bereits in den vorhergehenden IV-Projekten gelungen. "Wir sind sehr zufrieden. Die beteiligten Hausärzte konnten in der Vergangenheit vor allem viele kranke Kinder herausfischen, die nun frühzeitig behandelt werden können", berichtet Scheller. 45 Prozent der Teilnehmer bei dem Projekt seien unter 14. Erfreulich sei auch, dass die Zahl der Klinikeinweisungen zurückgegangen sei. Die waren in Mannheim zum Beispiel innerhalb eines Jahres auf Null reduziert worden. "Zu Anfang wurden von den eingeschriebenen Patienten immerhin noch 19 bis 20 Prozent ins Krankenhaus eingewiesen", so Scheller damals.

Für ihr Engagement erhalten die Ärzte eine Dokumentationspauschale (Erstdokumentation- , Folgedokumentation- , Arztwechselpauschalen), die sich zwischen neun und 30 Euro bewegt. Zur Förderung von eDMP werden die elektronischen Dokumentationen dabei höher vergütet als die papiergebundenen. "Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass ab 01.04.2008 eDMP verpflichtend wird", sagt Koffner. Die Betreuungspauschalen für Haus- und Fachärzte lägen zwischen 13 und 50 Euro pro Quartal. Für die Teilnahme an zertifizierten Schulungen würden etwa 25 Euro vergütet.

Asthma und COPD gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Lungenerkrankungen verursachen in Europa Gesamtkosten von jährlich etwa 102 Milliarden Euro oder 118 Euro pro Kopf. Voraussetzung um effizientere Strukturen und mögliche Einsparungen zu erreichen, sei eine effiziente und effektive Zusammenarbeit zwischen den Leistungserbringern, eine zielgerichtete und wirtschaftliche medikamentöse Therapie, Klinikaufenthalte zu reduzieren, Arbeitsausfallzeiten und Notfallbehandlungen zu senken sowie die Compliance zu steigern, macht Scheller deutlich. Wichtig sei ebenfalls eine nahtlos aufeinander abgestimmte medizinische Versorgung zwischen Haus- und Fachärzten sowie den Krankenhäusern und Rehaeinrichtungen.

Die Einschreibung der Krankenhäuser in das neue Disease Management Programm erfolgt derzeit über die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft.

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