Ärzte Zeitung, 16.09.2008

Hintergrund

Asthma-Kontrolle - da sind vor allem Hausärzte gefordert

Bei Asthmatikern, besonders bei Kindern, bestehen Versorgungsdefizite: Immer noch gibt es Todesfälle oder Behinderungen nach schweren Anfällen.

Von Thomas Meißner

Mehr als 2100 Asthma-Tote waren es nach dem Statistischen Bundesamt noch im Jahr 2004. Der Remscheider Pneumologe Dr. Harald Mitfessel wertet das als Zeichen für immer noch bestehende Defizite in der Asthmatherapie. Dies habe mit der häufig schlechten Compliance und Schulung der Patienten zu tun, aber auch sehr viel mit Fehlern in der Diagnostik, bei der Therapie und bei der Führung der Patienten.

"Nicht mal 50 Prozent der Kinder, die wegen eines Asthmaanfalls notfallmäßig im Krankenhaus behandelt werden, bekommen anschließend Kortikoide verordnet", kritisierte Mitfessel bei einer Veranstaltung des Unternehmens Janssen-Cilag in Frankfurt am Main. Immer noch höre man Sätze wie: "Bis zur Pubertät regelt sich das."

"Wir können gar nicht genug betonen, dass die Asthma-Therapie eine lebenslange Therapie sein muss." Inhalative Kortikoide (ICS), die von Pneumologen als Basistherapeutika ersten Ranges angesehen werden, um die chronische Entzündung zu mindern und Umbauvorgänge in der Lunge zu vermeiden, werden noch zu wenig verschrieben oder von den Patienten oft weggelassen. Dabei wird der insgesamt zu beobachtende Rückgang der Asthma-Todesfälle von manchen Experten in einem ursächlichen Zusammenhang mit der ICS-Dauertherapie gesehen.

Patienten schätzen sich meist viel zu positiv ein.

Immer wieder gibt es Kinder, die wegen Atemproblemen drei bis vier Mal pro Jahr ins Krankenhaus müssen, weil das Asthma schlecht kontrolliert ist oder die Diagnose übersehen wird. Vor allem jedoch in der Frühdiagnostik sieht Mitfessel die Kinder- und Jugendärzte in der Pflicht. Denn nur sechs bis 13 Prozent der Patienten mit Atemwegserkrankungen würden direkt beim Lungenspezialisten diagnostiziert.

Bei Kindern, die sehr oft husten, die älter als ein Jahr sind und auffällige Auskultationsbefunde aufweisen, müsse unbedingt die Lungenfunktion geprüft werden. "Die Auskultation und der Lungenfunktionstest müssen etabliert werden", fordert der Pneumologe, auch wenn dies personal- und zeitaufwendig sei und schlecht honoriert werde. So wie EKG-Geräte heute vielfach Teil der Standardausrüstung sind, gehöre ein Spirometer ebenso dazu. Davon sei man aber weit entfernt, obwohl jeder dritte Patient, der einen Arzt konsultiert, eine Atemwegserkrankung hat.

Von Hausärzten verlangen Pneumologen wie Mitfessel, Asthmapatienten gut zu führen und die Kontrolluntersuchungen adäquat vorzunehmen. Dabei reiche nicht die Frage, ob es denn gut gehe mit dem Asthma. Dies führe oft zu Antworten, die den Arzt beruhigten. Frage man konkret nach, erhalte man plötzlich ganz andere Antworten, so Mitfessel - etwa, wenn es um die Belastbarkeit der Patienten, um Asthmasymptome sowie den Gebrauch von Notfallmedikamenten gehe.

Für die Praxis empfehlenswert sei der Asthmakontrolltest ACT™ mit lediglich fünf Fragen. Den Test gibt es für Erwachsene und für Kinder. Er ist im Internet abrufbar. 2005 war der Test bei 170  000 Teilnehmern validiert worden. Ergebnis: 63 Prozent der Patienten hatten kein gut kontrolliertes Asthma.

Die Selbsteinschätzung der Patienten ist meist deutlich positiver, so Mitfessel. Das habe auch die AIRE-Studie ergeben. Deshalb sei weiterhin Aufklärung erforderlich, um die Ziele der Global Initiative for Asthma (GINA) zu erreichen: so gut wie keine Symptome, keine Anfälle, minimaler Notfalltherapiebedarf, keine Einschränkungen im täglichen Leben und normale Lungenfunktionswerte.

www.asthmakontrolltest.de; www.atemwegsliga.de; www.ginasthma.com

Asthma bronchiale

Zehn Prozent der Kinder und sieben Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind an Asthma bronchiale erkrankt. Typische Symptome sind rezidivierende Zustände akuter Atemnot, vor allem nachts oder am frühen Morgen. Asthma gilt mittlerweile als eine Erkrankung des gesamten Bronchialsystems. (ner)

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