Ärzte Zeitung online, 05.05.2009

Luftverschmutzung führt auch bei Erwachsenen zu Asthma

BERN (eb). Das Risiko, an Asthma zu erkranken, ist umso höher, je mehr die Luft am Wohnort mit Feinstaub aus dem Straßenverkehr verschmutzt ist. Das gilt für Kinder, aber auch für erwachsene Nichtraucher. Zu diesem Schluss gelangen schweizerische Forscher nach einer Auswertung aktueller Studiendaten.

Luftverschmutzung führt auch bei Erwachsenen zu Asthma

Auch bei Erwachsenen lässt eine hohe Feinstaub-Belastung in der Atemluft das Asthma-Risiko steigen.

Foto: Jean-Paul Bounine©www.fotolia.de

Asthma ist eine entzündliche Erkrankung der Atemwege. Sie belastet die Betroffenen sehr, denn sie geht mit einer dauerhaften Überempfindlichkeit gegenüber einer Vielzahl von Reizen einher und führt zu Anfällen von Luftnot. Bei Kindern ist Asthma die häufigste chronische Krankheit, aber auch Erwachsene können Asthma neu entwickeln.

Auch sie erkranken umso häufiger, je mehr von Autos ausgestoßener Feinstaub über Bett und Küchentisch schwebt. Diese Art Luftverschmutzung - also die Belastung der Atemluft mit weniger als zehn Mikrometer großen Kleinstpartikeln aus dem Straßenverkehr - ist zwar zwischen 1991 und 2002 schweizweit insgesamt um ein Viertel gesunken. Sie macht durchschnittlich auch nur zwischen sechs und 16 Prozent der Gesamt-Feinstaubbelastung aus. Doch der verkehrsbedingte Feinstaub ist für die menschliche Gesundheit besonders gefährlich, denn er korrelierte bei Nichtrauchern mit dem Auftreten von Asthma, an dem in diesen Jahren 41 von insgesamt 2725 (1,5 Prozent aller untersuchten) Personen erkrankten. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung der schweizerischen Sapaldia-Kohortenstudie hervor (Thorax online first, April 2009).

SAPALDIA steht für Swiss Cohort Study on Air Pollution and Lung Diseases in Adults. Die Studie hat zum Ziel, die Ursachen für die zeitlichen Veränderungen in respiratorischen und allergischen Symptomen ausfindig zu machen. Im Rahmen der Kohortenstudie wurden 1991 die Lungenfunktion und mögliche Allergien von 9651 zufällig ausgewählten Teilnehmenden aus acht verschiedenen Orten gemessen: Aarau, Basel, Davos, Genf, Lugano, Montana, Payerne, Wald. 2002 gaben 8047 Personen noch einmal Informationen über ihren Gesundheitszustand. 2010 soll eine erneute Untersuchung stattfinden.

Die 41 Asthmafälle sind nicht geografisch zufällig über die Schweiz verteilt, sondern traten gehäuft entlang von stark befahrenen Straßen auf. Wo die Belastung sank, sank auch das Risiko, an Asthma zu erkranken. Nino Künzli, der Erstautor der Studie, sagt: "Unsere Resultate tragen zur städtebaulichen Diskussion bei, welche Gebäude in welchem Abstand von verkehrsintensiven Straßen errichtet werden sollen." Die bisher einzige auf die Luftverschmutzung abgestimmte Regulierung - in Kalifornien dürfen innerhalb von 300 Metern Abstand zu Autobahnen keine neue Schulen errichtet werden - decke sich mit den Befunden ihrer Studie, so Künzli.

Die Belastung der untersuchten Personen errechneten die Forschenden mit einem Modell, das die stündlichen Feinstaubemissionen des Verkehrs während der gesamten Zeitspanne mit meteorologischen Daten wie Wind und Niederschlag kombinierte. So konnten die Forschenden den zeitlichen Verlauf der Feinstaubbelastung für die acht Gegenden, aus denen die untersuchten Personen stammen, festlegen.

Wegen der zunehmenden Verbreitung von Katalysatoren und anderen Luftreinhaltemaßnahmen ist die durchschnittliche Luftverschmutzung mit Feinstaub aus dem Straßenverkehr in der Schweiz zwischen 1991 und 2002 von 2,84 auf 2,25 Mikrogramm pro Kubikmeter gesunken. Dabei nahm die Verschmutzung in städtischen Gebieten wie Basel oder Genf mehr ab als in ländlichen Gebieten wie Davos oder Montana, wo die Luft schon 1991 rein war. Auch wenn die sinkende Luftbelastung eine gute Nachricht sei - weiterhin erkrankten Personen an Asthma. "Grund genug, dass nur noch Fahrzeuge mit minimalem oder sogar ohne Schadstoffausstoß verkauft werden", sagt Künzli.

Die Forschenden beschränkten ihre Untersuchungen auf Personen, die nie geraucht haben. Im Zigarettenrauch sind nämlich zum großen Teil die gleichen Schadstoffe, die der Straßenverkehr produziert, in viel stärkeren Konzentrationen enthalten. Deshalb weisen Rauchende - auch ohne der Luftverschmutzung ausgesetzt zu sein - ein erhöhtes Asthma-Risiko auf.

Zum Abstract der Originalpublikation "Traffic-Related Air Pollution Correlates with Adult-Onset Asthma among Never-Smokers"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Künstliche Herzklappe raubt oft den Schlaf

Fast ein Viertel aller Patienten mit einer mechanischen Herzklappe klagt über Schlafstörungen. Die Ursache hat eine einfache Erklärung. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen von Tag 1 und 2 des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

"Digitalisierung lässt sich nicht klein hoffen"

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, die Ärzte sollten sich daher aktiv daran beteiligen, appellierte der Blogger Sascha Lobo auf dem Ärztetag. mehr »