Ärzte Zeitung, 04.02.2010
Gezielte Schulungen erleichtern das Leben mit Asthma
Die Versorgung von Asthma-Patienten ist nicht optimal. Vor allem gibt es Defizite im richtigen Umgang mit Medikamenten.
Von Ilse Schlingensiepen

Patientenschulung ist wichtig: Der junge Mann hat eine falsche Handhaltung. Der Daumen gehört unter das das
Gerät, sonst könnte es nach unten durchrutschen. © ill
KÖLN. Patienten mit Asthma werden im Wesentlichen
leitliniengerecht behandelt, es gibt aber noch Verbesserungspotenzial.
Nach einer aktuellen Untersuchung hapert es bei vielen Kranken am
richtigen Einsatz der Medikamente. "Hier sind die Hausärzte
gefragt, die ihre Patienten noch besser informieren können", sagt
Dr. Cornelia Schürer-Maly von den Düsseldorfer Unikliniken.
Die Mediziner sollten die Asthmakranken auch auf den Nutzen von
Patientenschulungen hinweisen.
In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Allgemeinmedizin der
Universitätskliniken Düsseldorf und der Medizinischen
Fakultät der Universität Witten/Herdecke hat die Allianz
Private Krankenversicherung Versicherte mit Asthma bronchiale zur
Schwere ihrer Krankheit, zum Selbstmanagement und zum Umgang mit
Arzneimitteln befragt. 5079 Versicherte erhielten einen Fragebogen, 757
schickten ihn zurück. 79 Prozent der Teilnehmer litten länger
als fünf Jahre an Asthma, knapp zwei Drittel waren mindestens im
Stadium II.
Die in die Untersuchung einbezogene Gruppe ist zwar nicht
repräsentativ für die Asthmakranken. Dennoch lassen sich nach
Angaben von Schürer-Maly wichtige Trends erkennen. "Mehr als zwei
Drittel der Befragten haben noch nie an einer Asthmaschulung
teilgenommen und verfügen auch über keinen Notfallplan", sagt
die Ärztin. Lediglich ein Drittel führe regelmäßig
Peak Flow-Messungen durch.
57 Prozent der Patienten benutzen täglich ein inhalatives
Kortikosteroid. Das ist leitliniengerecht. Allerdings setzen 18 Prozent
diese Mittel auch bei akuten Beschwerden ein. Als Hinweis darauf, dass
Ärzte die Patienten stärker über den richtigen Umgang
mit Arzneimitteln informieren müssen, sieht Schürer-Maly
auch, dass 17 Prozent der Teilnehmer Notfallsprays täglich
benutzen.
Auch wenn es für den falschen Medikamentengebrauch
unterschiedliche Gründe gibt, hat die Untersuchung nach ihrer
Einschätzung gezeigt, wie wichtig gezielte Patienteninformationen
und -schulungen sind.
Mehr Wissen der Patienten verbessert in erster Linie ihre
Lebensqualität, sagt auch Nik Koneczny von der Uni
Witten/Herdecke. "Gerade evidenzbasierte Patienteninformationen sind
dazu geeignet, Informationsdefizite auszugleichen und damit nicht nur
das Leben mit Asthma zu erleichtern, sondern auch Komplikationen,
Folgeerkrankungen und Notfallereignisse zu vermindern."
Die Uni bringt gemeinsam mit der Allianz Kranken vier Mal im Jahr
einen Asthma-Newsletter heraus. Die Befragung der Versicherten hat
gezeigt, dass es auch bei ihm offensichtlich noch Verbesserungsbedarf
gibt.

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