Ärzte Zeitung online, 30.12.2009

Notfalltherapie bei Asthma und COPD - Hier gibt es große Ähnlichkeiten

Atemnot gehört zu den häufigsten Ursachen von ärztlichen Notfalleinsätzen. Die häufigsten Auslöser der Atemnot sind Asthma und COPD. Schnellwirksame inhalative Beta-2-Mimetika sind bei beiden die Medikamente der ersten Wahl.

Notfalltherapie bei Asthma und COPD - Hier gibt es große Ähnlichkeiten

Ist der Grund für die Atemnot Asthma oder COPD? Für die Akuttherapie spielt das zunächst keine Rolle.

Foto: Conic©www.fotolia.de

Von Adela Žatecky

Die häufigsten Ursachen von ärztlichen Notfalleinsätzen -  Asthma und COPD - haben den Vorteil, dass die Akuttherapie durchaus Ähnlichkeiten aufweist: Die wichtigste Maßnahme bei beiden Erkrankungen ist die Inhalation kurzwirksamer Bronchodilatatoren. Die intravenöse Applikation von Steroiden bildet die zweite Säule der Notfalltherapie.

Der zu Hilfe gerufene Arzt muss
aber in dieser Notfallsituation zunächst nicht nur Asthma und COPD als die beiden häufigsten Ursachen berücksichtigen. Der Ausschluss und die richtige Behandlung anderer Ursachen sind letztlich noch wichtiger als die Unterscheidung zwischen COPD und Asthma, betonen Dr. Boris Friege und Mitarbeiter in der Zeitschrift "Der Anaesthesist" (58, 2009, 611). Als weitere mögliche Ursachen kommen etwa kardiale Dekompensation, Lungenarterienembolie, Anaphylaxie, Fremdkörperaspiration, Spannungspneumothorax, Inhalationstrauma oder auch psychogene Dyspnoe-Anfälle infrage.

Für die Therapie obstruktiver Notfälle sind sowohl beim Asthma bronchiale als auch bei der COPD schnellwirksame inhalative Beta-2-Mimetika die Medikamente der ersten Wahl, da sie der intravenösen Gabe therapeutisch gleichwertig sind, aber eine geringere Nebenwirkungsrate aufweisen. Die Applikation erfolgt über Dosieraerosole, Vernebler oder Pulvergasapplikatoren. Bei treibgasfreien Pulverinhalatoren ist darauf zu achten, dass die einen ausreichenden inspiratorischen Fluss zur Wirkstoffdeposition in der Lunge erfordern - dieser ist bei schwerer Obstruktion oft nicht mehr gegeben.

Als zusätzliche Maßnahme können inhalative Anticholinergika gegeben werden, da sie sowohl beim akuten Asthmaanfall als auch bei der exazerbierten COPD eine additive bronchospasmolytische Wirkung zu Beta-2-Mimetika entfalten. Theophyllin hat dagegen bei beiden Indikationen nur noch eine drittrangige Bedeutung, da die bronchodilatatorische Wirkung vergleichsweise gering ist.

Als zweite Säule der Standardtherapie wird bei beiden Erkrankungen die intravenöse Gabe von systemischen Steroiden empfohlen. Denn an der akuten Verschlechterung ist häufig eine Entzündung beteiligt, und Kortikosteroide sind die effizientesten entzündungshemmenden Substanzen zur Beherrschung der Exazerbationen. Zu beachten ist der verzögerte Wirkungseintritt nach vier bis sechs Stunden -  umso wichtiger ist aber eine möglichst frühzeitige Applikation, betonen die Autoren. Die empfohlenen Dosierungen liegen bei 25 bis 100 mg Prednisolonäquivalent beim Asthmaanfall und bei 20 bis 40 mg bei der exazerbierten COPD. In Zweifelsfällen ist eher die höhere Dosierung probat, um eine Unterdosierung zu vermeiden. Bei schweren Asthmaanfällen kann zudem auch Magnesium zur verbesserten Relaxation der glatten Muskulatur verabreicht werden.

Als weitere Maßnahmen kommen vor allem die Hochlagerung des
Oberkörpers, atemerleichternde Haltungen wie der Kutschersitz, die Lippenbremse zur Erhöhung des intrabronchialen Drucks und Verhinderung von Bronchialkollapsen infrage. Bei einem Abfall der Sauerstoffsättigung unter 90 Prozent ist zudem die Sauerstoffgabe über eine Nasenbrille oder eine Atemmaske indiziert. Bei klinischen Anzeichen einer drohenden Erschöpfung der Atemmuskulatur bleibt noch die invasive Beatmung als letztes Mittel zur Sicherung der respiratorischen Funktion.

Differenzialdiagnose

Anhaltspunkte für die Unterscheidung zwischen Asthma und COPD liefert die Anamnese. Allerdings kann die Eigenanamnese durch die Dyspnoe-bedingte Wortkargheit, die oft im scheinbaren Widerspruch zur motorischen Unruhe steht, erschwert sein. Hinzu kommt, dass auch COPD-Patienten ihre Erkrankung oft "Asthma" nennen, so die Autoren. Mögliche Gründe hierfür sind der synonyme Gebrauch der Begriffe "Asthma" und "Atemnot" in der Bevölkerung sowie die Vermeidung von Begriffen wie "Raucherhusten".

Beim Asthma ist die Obstruktion reversibel, und es wechseln sich völlig symptomfreie Intervalle mit obstruktiven Krankheitsepisoden ab. Die COPD dagegen zeichnet sich durch eine allenfalls teilweise reversible Obstruktion und einen langsam progredienten Verlauf aus, zudem sind die Betroffenen meist Raucher oder Exraucher. Auslöser des Asthmas sind vielfältig - dazu zählen infektiöse, allergische, pharmakologische, umweltbedingte, arbeitsbedingte, belastungsinduzierte oder emotionale Faktoren. Die Exazerbation einer COPD wird am häufigsten durch einen Atemwegsinfekt ausgelöst.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »