Ärzte Zeitung, 13.04.2010

Nur jede dritte COPD ist diagnostiziert

Jeder fünfte Raucher über 40 Jahre hat eine chronisch-obstruktive Lungenkrankheit   / Kanadische Studie

TORONTO (ikr). Die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD) bleibt immer noch häufig unerkannt: In einer aktuellen Studie hatte jeder fünfte Patient über 40 Jahre, der etwa 20 Jahre lang mindestens 20 Zigaretten pro Tag geraucht hatte, eine COPD. Aber nur jeder dritte wusste davon.

Nur jede dritte COPD ist diagnostiziert

Raucher haben ein hohes Risiko für COPD. © H. Strasser / fotolia.com

Kanadische Forscher haben 1003 Raucher über 40 Jahre, die mindestens 20 Packungsjahre aufwiesen, spirometrisch untersucht und nach weiteren Risikofaktoren befragt (CMAJ Online). Ein Packungsjahr errechnet sich aus der Zahl der pro Tag gerauchten Zigaretten mal die Jahre, in denen geraucht wurde, dividiert durch 20. Die Studie mit Patienten aus Allgemeinarztpraxen ergab: 208 (21 Prozent) der untersuchten Raucher hatten eine COPD, das heißt eine Einsekungenkapazität (FEV1) von weniger als 80 Prozent des Sollwertes und einen FEV1/FVC (forcierte Vitalkapazität)-Quotienten von 0,7. Aber nur 67 (33 Prozent) wussten bereits vor Studienbeginn von ihrer chronischen Lungenerkrankung.

164 Patienten mit COPD hatten eine mittelschwere Erkrankung, befanden sich also im GOLD-Stadium II (FEV1 von unter 80 Prozent, aber mindestens 50 Prozent). Immerhin 44 Prozent hatten bereits eine schwere COPD mit FEV1-Werten unter 50 Prozent. Mehr als Dreiviertel der Patienten mit COPD klagten über mindestens ein respiratorisches Symptom. Husten war das häufigste Atemwegssymptom. 54 Prozent waren davon betroffen. Ein weiteres Ergebnis: Etwa jeder zweite COPD-Patient war zum Zeitpunkt der Studie immer noch Raucher. Und viele der COPD-Kranken hatten Begleiterkrankungen: So gaben knapp 30 Prozent der Patienten an, dass bei ihnen bereits eine Herzerkrankung diagnostiziert worden sei. 51 Prozent hatten eine Hypertonie, 22 Prozent einen Diabetes und sechs Prozent einen Schlaganfall in der Anamnese. Und 1,5 Prozent der Studienteilnehmer waren bereits an Lungenkrebs erkrankt.

Für die kanadischen Forscher zeigen die Studiendaten, dass gerade in Hausarztpraxen ein großes Potenzial für die frühzeitige Diagnose einer COPD besteht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Chancen trotz Raucherlunge

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »

KBV legt acht Punkte für eine Reformagenda vor

Rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf und dem Start in eine neue Legislaturperiode hat die KBV ein Programm für eine moderne Gesundheitsversorgung vorgelegt. Was steht drin? mehr »