COPD

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Modul: Übersicht COPD - Diagnostik, Prävention und Therapie

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Ärzte Zeitung, 21.12.2010

Mehr Diabetes bei hochdosierter Kortikoidtherapie

Die Therapie vor allem mit hochdosierten inhalativen Steroiden ist mit einer erhöhten Diabetesrate verbunden.

Mehr Diabetes bei hochdosierter Kortikoidtherapie

Forscher empfehlen, bei Patienten mit hochdosierte ICS-Therapie auf das erhöhte Hyperglykämierisiko zu achten.

© Andrzej Tokarski / fotolia.com

QUéBEC (ikr). Kanadische Forscher haben 388.584 Patienten mit Asthma oder COPD im Mittel 5,5 Jahre nachbeobachtet (The American Journal of Medicine 2010; 123: 1001). In dieser Zeit erkrankten 30.167 Patienten neu an Diabetes. Das bedeutet: 14,2 Neuerkrankungen pro Jahr.

Außerdem wurde bei 2099 Patienten, die bereits vor Studienbeginn orale Antidiabetika erhalten hatten, im weiteren Verlauf eine Insulintherapie nötig. Das waren 19,8 Fälle pro Jahr.

Aus den vorhandenen Daten haben die Forscher um Dr. Samy Suissa aus Québec berechnet, dass die Diabetesrate unter einer Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden (ICS) moderat um 34 Prozent erhöht ist. 15,5 Prozent der neu an Diabetes erkrankten, aber nur 11 Prozent der nicht erkrankten Studienteilnehmer wurden mit ICS behandelt.

Stärker erhöht war die Diabetesrate bei hochdosierter ICS-Therapie (1000 μg Fluticason pro Tag oder Äquivalent), und zwar um 64 Prozent. Auch die Diabetesprogression war mit ICS um 34 Prozent und bei hochdosierter Therapie um 54 Prozent erhöht.

Die Forscher empfehlen angesichts ihrer Ergebnisse, bei Patienten, bei denen eine hochdosierte ICS-Therapie begonnen wird, auf das erhöhte Hyperglykämierisiko zu achten. Außerdem sollten hochdosierte ICS nur Patienten verordnet werden, die sie auch tatsächlich benötigen.

[21.12.2010, 11:11:18]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Was war zuerst, die Henne oder das Ei? Und wo ist überhaupt der Hahn abgeblieben?
"Conclusions
In patients with respiratory disease, inhaled corticosteroid use is associated with modest increases in the risks of diabetes onset and diabetes progression. The risks are more pronounced at the higher doses currently prescribed in the treatment of chronic obstructive pulmonary disease.
Keywords: Asthma, Chronic obstructive pulmonary disease, Drug safety, Glucocorticoids, Observational studies" (The American Journal of Medicine 2010; 123: 1001)

Erst in den Schlussfolgerungen und Keywords taucht es auf: Eine reine Beobachtungsstudie, von k a u s a l e r Beweiskette keine Spur, Sensitivität und Spezifität der Methodik vage. Versuchen wir es mit Reflexion in der Tradition des "Alten Europa": Wer Asthma bronchiale und/oder COPD hat, bewegt sich weniger, hat häufiger Übergewicht, raucht deutlich vermehrt, neigt zu hypoxischem Stoffwechsel bei Luftnot, bewegt sich dann noch weniger und sammelt immer mehr Übergewicht an. In diesem beginnenden Metabolischen Syndrom greifen die Patienten dann zu immer stärkeren Dosierungen von inhalativen Korticosteroiden (ICS) und , hopperla, das haben die Wissenschaftler ja völlig übersehen, zu Betamimetika in Fixkombination oder zusätzlicher Einzeldosierung. Wer dann übrigens noch Betablocker nimmt (keine Kontraindikation bei COPD!) schaukelt seinen Betamimetika-Konsum evtl. noch höher.

Da nutzt auch die hohe Fallzahl von 388.000 Patienten nichts. Die Studienautoren unterliegen einem klassischen "bias" (Voreingenommenheit, Schieflogik), in dem sie die erhöhte Diabetesrate nicht mit Lebensstiländerung, Leistungseinschränkung und metabolischer Entgleisung als F o l g e von Asthma/COPD zusammenbringen, sondern durchaus dem derzeitigen Zeitgeist entsprechend die M e d i k a t i o n als Hauptrisiko identifizieren wollen. Damit ich nicht falsch verstanden werde, die Pharmakotherapie erfolgt in meiner Praxis immer kritisch, Nutzen-Risiko abwägend und rational. Aber eine reine Beobachtungsstudie ist immer vage, unverbindlich und bar jeglicher Kausalität.

Sonst könnte man ja den Rückgang der perinatalen Mortalität in den Industrieländern mit dem steigenden Gebrauch von Plastiktüten dort, die erhöhte Inzidenz von Diabetes mit dem vermehrten Gebrauch von Backtrennpapier (und damit erleichterter Kohlenhydrataufnahme) oder das Auftreten von extrem kalten Wintern mit der Globalen Klimaerwärmung in einen kausalen Zusammenhang bringen.

Es ist offensichtlich Alles nicht so einfach, wie es scheint und wir es uns konstruktivistisch zurechtrücken. Denn wenn Adam und Eva tatsächlich von Gott erschaffen wurden, warum in drei Teufels Namen haben sie dann eigentlich einen Bauchnabel?

Mit kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM in Dortmund
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