Ärzte Zeitung, 16.01.2004

Bakterielle Sinusitis bei jungen Menschen ist ernst zu nehmen

Vor Antibiotika-Einsatz ist abschwellende Therapie nötig

LEIPZIG (Rö). Die bakterielle Sinusitis bei Kindern und Jugendlichen ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die bei inadäquater Therapie zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann. Tips zur Behandlung gibt Professor Heidrun Müller von der Universitätsklinik Leipzig.

Vor der Verwendung von Antibiotika sind abschwellende Maßnahmen wie Nasentropfen und Inhalationen sowie Schleimlöser erforderlich. Erst danach, allenfalls gleichzeitig, könne mit Antibiotika therapiert werden, berichtet die HNO-Ärztin in "Kinder- und Jugendarzt" (34, 2003, 864).

Häufig reichten die physikalischen Maßnahmen zur Beschwerdelinderung und zur Ausheilung, wenn zusätzlich stark abschwellende Substanzen mit einem Spitztupfer direkt in den mittleren Nasengang eingegeben und Paracetamol oder Ibuprofen verwendet werden.

Liegt eine bakterielle Infektion mit hohem Fieber vor, müsse die antibiotische Therapie nach dem häufigsten Keimspektrum breitbandig und ausreichend lange für mindestens zehn Tage gemacht werden. Größte Bedeutung als Erreger haben Pneumokokken, H. influenza und M. catarrhalis. Seltener, aber nicht zu vernachlässigen sind S. aureus, Streptokokken und Anaerobier.

Geeignete Antibiotika sind nach Aussage der HNO-Ärztin Aminopenicilline plus Beta-Laktamase-Hemmer und Cephalosporine der zweiten Generation. Die oralen Cephalosporine der dritten Generation haben eine Staphylokokkenlücke. Sie könnten damit nicht als Mittel der ersten Wahl bei Sinusitiden gelten, berichtet Müller.

Die in Deutschland sehr beliebten Makrolide hätte zunehmend Resistenzen gegen S. pneumoniae, einem der Leitkeime der Sinusitis. Da Clindamycin nicht gut gegen H. influenzae wirke, könne es ebenfalls nicht Mittel der ersten Wahl sein.

Ist die Therapie inadäquat, besteht die Gefahr der Selektionierung von Problemkeimen. Gravierende Komplikationen können dann die Folge sein. Zu diesen Komplikationen gehören: Orbita-Ödem, Orbitalphlegmone, Stirnbeinosteomyelitis, Meningitis, Hirnabszeß und Mukozelen.

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