Ärzte Zeitung, 14.04.2005

Jedes Jahr 5000 Patienten mit Lungenhochdruck

Thrombembolie bei 50 Prozent

WIESBADEN (KHS). Bei etwa 50 Prozent der Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) liegt nach Schätzung von Professor Marius Hoeper von der Medizinschen Hochschule Hannover der Krankheit ein thrombembolisches Geschehen zugrunde.

Wie Hoeper beim Internisten-Kongreß in Wiesbaden mitteilte, geht er von etwa 5000 Neuerkrankungen mit chronisch-thrombembolischer pulmonaler Hypertonie (CTEPH) pro Jahr aus.

Hoeper glaubt, daß die CTEPH bislang unterschätzt worden ist, zumal sich nur bei etwa der Hälfte der Patienten anamnestisch Symptome einer akuten Lungenembolie feststellen ließen. Oft verlaufe dieses Leiden chronisch wie bei den nicht-thrombembolischen Formen der PAH, sagte Hoeper auf dem Symposium des Unternehmens Actelion.

Seit Jahren schon gebe es eine sehr wirksame chirurgische Therapie, die pulmonale Endarterektomie (PEA). Bei dieser sehr anspruchsvollen Operationsmethode präpariere der Chirurg unter Anschluß des hypothermierten Patienten an die Herz-Lungen-Maschine in tiefere Schichten der Gefäße hinein, um das obliterierende Material zu entfernen. Der Eingriff führe oft zu einer starken Verbesserung, ja sogar Normalisierung der Hämodynamik. Insgesamt werden nach Hoeper 80 Prozent der operierten Patienten "quasi geheilt".

Jedoch seien 50 Prozent der Patienten mit CTEPH nicht operabel, etwa weil die Gefäßveränderungen für den Chirurgen nicht erreichbar sind. Diese Patienten müßten medikamentös behandelt werden.

Hoeper stellte dazu eine offene, unkontrollierte Studie vor, die an drei deutschen Zentren - Mainz, Homburg und Hannover - mit Bosentan (Tracleer®) gemacht worden ist. Bei allen 18 der meist bereits operierten Patienten habe der periphere vaskuläre pulmonale Widerstand um ein Drittel abgenommen, der Pulmonalisdruck sei gesunken, und die Sauerstoffsättigung habe sich verbessert.

Allerdings hätten sich die funktionellen Parameter eher nicht verbessert; die meisten Patienten seien in NYHA IV geblieben, nur wenige seien ins Stadium NYHA II gekommen. Dennoch habe sich die Gehstrecke der Patienten signifikant verlängert. Hoeper wies darauf hin, daß diese Ergebnisse von fünf Arbeitsgruppen mit ähnlich niedrigen Patientenzahlen, aber den "frappierend identischen" Ergebnissen bestätigt worden sind. Deshalb sei jetzt eine große Placebo-kontrollierte Studie in Planung, die im Herbst 2005 beginnen werde.

Hoeper resümierte, daß Bosentan "wahrscheinlich" bei nichtoperablen Patienten mit CTEPH eine effektive Therapie sei. Er warnte jedoch davor, daß Patienten sich nicht operieren ließen, weil es ein wirksames Medikamente gebe, denn Hoeper ist überzeugt, daß sich die guten Operationsergebnisse in den nächsten 10 bis 20 Jahren durch Pharmakotherapie nicht übertreffen lassen.

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