Ärzte Zeitung, 06.05.2005

Bei Glaukomtherapie mit Betablocker sind Lungenfunktionstests sinnvoll

Betablocker in Augentropfen können systemisch wirken / Vorsicht bei Dyspnoe !

HAMBURG (grue). Augentropfen, die einen Betablocker enthalten, gelangen ohne Umweg über die Leber ins Blut und können systemisch wirken. Bei sturzgefährdeten älteren Patienten und Asthmatikern ist deshalb Vorsicht geboten.

Eine Patientin wird an der Spaltlampe untersucht; vor allem Glaukom-Patienten sollten regelmäßig zur Augenuntersuchung. Foto: Herbert Fromme

Ältere Patienten, die wegen eines Glaukoms mit Betablocker-haltigen Augentropfen behandelt werden, haben ein erhöhtes Sturzrisiko, weil der auch systemisch wirkende Betablokker unter anderem schwindlig machen kann. Darauf hat Professor Thomas Nordt vom Katharinenhospital in Stuttgart bei einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer in Hamburg hingewiesen.

Topisch applizierte Betablocker senken den Augeninnendruck um etwa 20 Prozent und gehören zur Standardtherapie bei Patienten mit grünem Star. Bei Augenerkrankungen werden meist nicht-selektive Betablocker wie Timolol verwendet, die die Beta-1- und Beta-2-adrenergen Rezeptoren stimulieren.

Die Substanzen gelangen über den Tränennasengang und die Nasenschleimhaut direkt ins Blut. "Zwei Tropfen Timolol täglich wirken wie eine 10-mg-Tablette des Betablockers", so Nordt. Patienten mit Bronchialasthma, obstruktiven Lungenerkrankungen und schwerer Herzinsuffizienz sollten daher nicht mit solchen Augentropfen behandelt werden.

Auch bei schwerer allergischer Rhinitis sollten alternative Präparate verwendet werden, zum Beispiel ein Prostaglandinanalogon (vom Unternehmen als Xalatan® erhältlich).

Betablocker, so Nordt, scheinen die Lungenfunktion zu beeinträchtigen. So hatten Glaukom-Patienten, die für drei Jahre Augentropfen mit Betablockern anwendeten, eine signifikant geringere Einsekundenkapazität der Lunge im Vergleich zu Laser-operierten Augenpatienten. Auch ein Jahr, nachdem das Präparat abgesetzt worden war, hatte sich die Lungenfunktion noch nicht wieder erholt.

Der Stuttgarter Kollege empfahl deshalb, vor und während der Behandlung mit Augentropfen vom Typ des Timolols bei älteren und kurzatmigen Patienten eine Spirometrie oder Peak-Flow-Messung vorzunehmen. Auf diese Weise könnten Einschränkungen der Lungenfunktion rechtzeitig erkannt werden.

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