Ärzte Zeitung, 16.07.2007

Welche Antibiose bei Pneumonie? Reise-Anamnese hilft hier weiter

Im Mittelmeerraum sind viele Keime gegen Penicillin und Makrolide resistent

NEU-ISENBURG (hub). Auf eine Reise-Anamnese sollte nicht verzichtet werden, wenn jetzt Patienten mit Pneumonie in die Praxis kommen. "Für die Antibiotika-Wahl macht es einen Unterschied, ob der Patient zuvor in Spanien war oder an der Nordsee", so Professor Hartmut Lode, Pneumologe aus Berlin.

Bestätigt die Auskultation den Verdacht auf Pneumonie, ist die Frage wichtig: Haben Sie in den letzten zwei Wochen Urlaub im Süden gemacht? Foto: pa

"War der Patient noch vor ein bis zwei Wochen in Spanien im Urlaub, müssen β-Laktam- und Makrolidresistenzen berücksichtigt werden", rät Lode. Denn etwa 40 Prozent der Pneumokokken in Spanien seien gegen Penicilline und Cephalosporine resistent. Auch bei Makroliden sehe es nicht besser aus.

Außerdem sind an der Südküste Spaniens nach Pneumokokken Legionellen zweithäufigste Erreger einer Pneumonie. "Gegen beide Keime ist ein modernes Fluorochinolon die erste Wahl", so Lode zur "Ärzte Zeitung".

Hohe Resistenzraten gebe es dabei nicht nur in Spanien, sondern im gesamten Mittelmeerraum. In den Niederlanden oder Skandinavien hingegen gebe es kaum Resistenzen. "Wenig bekannt ist, dass die Situation in den USA nicht besser ist als in Spanien", so Lode.

Liege der Urlaub mehr als zwei Wochen zurück, sei das Reiseziel für die Wahl des Antibiotikums ohne Bedeutung. "In Deutschland kommen wir etwa mit Amoxicillin und bei Erwachsenen auch mit modernen Makroliden zurecht." Lode empfiehlt, die jeweilige regionale Resistenzsituation zu berücksichtigen. Daten hat das mikrobiologische Labor, mit dem zusammengearbeitet wird.

Gegen Pneumokokken empfiehlt zudem die Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut eine Impfung: als Standard für alle über 60 Jahre sowie für chronisch Kranke - altersunabhängig.

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