Ärzte Zeitung online, 04.02.2009

Therapie gegen Lungenentzündung: Charité-Forscher finden Ersatz für Antibiotika

BERLIN (eb). In der Therapie von Patienten mit bakteriellen Lungenentzündungen haben Forscher eine Alternative zu Antibiotika gefunden. Die Wissenschaftler von der Berliner Charité und der Rockefeller University New York bekämpften die Pneumokokken erfolgreich mit einem Enzym.

Dazu verwendeten sie das Enzym Cpl-1, das von Bakteriophagen produziert wird. "Nach unseren Ergebnissen ist Cpl-1 genauso wirksam wie ein Antibiotikum, ohne dabei andere Bakterien anzugreifen", erklärt Dr. Martin Witzenrath von der Charité. Allerdings wirke das Enzym nur bei Pneumokokken. Witzenrath und sein Team hoffen jedoch auf vergleichbare Enzyme, die auch gegen andere Bakterien wirken.

Den Versuch haben die Forscher im Mausmodell durchgeführt. Dabei wurden die an einer Lungenentzündung durch Pneumokokken infizierten Mäuse in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe bekam das klassische Antibiotikum Penicillin und überstand die Erkrankung. Der zweiten Gruppe verabreichten die Forscher Cpl-1, die dritte erhielt ein Placebo. Alle mit Placebo behandelten Mäuse verstarben, ihre mit Cpl-1 behandelten Artgenossen überlebten. Wie die Berliner berichten, nahm die Zahl der Bakterien in Lunge und Blut bei den enzymatisch behandelten Mäusen deutlich ab. Die typischen Symptome der Lungenentzündung verschwanden rasch. Auch Nebenwirkungen von Cpl-1 sind bisher weder bei Mäusen noch bei menschlichen Zellkulturen aufgetreten.

"Herkömmliche Antibiotika helfen zunehmend nicht mehr, weil sie zu oft für harmlose Krankheiten verschrieben werden", erklärt Witzenrath. So hätten die gefährlichen Krankheitserreger Zeit, sich so zu verändern, dass diese Mittel ihnen nichts mehr anhaben können. Deshalb fahnden Forscher in aller Welt nach neuen Therapiestrategien. "Cpl-1 könnte sich als ein Ausweg erweisen", hofft Witzenrath. Zulassungsverfahren für erste klinische Studien laufen bereits.

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