Ärzte Zeitung online, 30.07.2011

Alkoholfreies Bier bringt Immunzellen von Marathon-Läufern auf Trab

Bier statt Antibiotika? Das könnte die Devise zum Beispiel für Marathon-Läufer werden, die ja oft nach der Belastung Infekte bekommen. Wichtig ist: Das Bier muss alkoholfrei sein, es sollte nicht bei einem bleiben, und es muss Polyphenole enthalten. Denn diese Phenole haben besondere Effekte auf Immunzellen.

Von Marlinde Lehmann

MÜNCHEN. Auch mit alkoholfreiem Bier lassen sich Placebo-kontrollierte Studien machen, haben jetzt Münchner Forscher bewiesen. Bei Marathon-Läufern haben sie belegt: der Konsum alkoholfreien, aber polyphenolhaltigen Bieres senkt die Inzidenz von Infekten der oberen Atemwege nach dem Lauf.

Alkoholfreies Bier bringt Immunzellen von Marathon-Läufern auf Trab

Marathonlaufen erhöht das Risiko für Atemwegsinfekte - aber mit alkoholfreiem Bier können Läfuer gegensteuern.

© Sandor Jackal / fotolia.com

Dr. Johannes Scherr von der TU München und seine Kollegen haben ihre Studie bei Marathon-Läufern streng Placebo-kontrolliert angelegt: 277 männliche Teilnehmer beim Münchener Marathon 2009 wurden nach einer Zufallsverteilung einer von zwei Studiengruppen zugeordnet.

In beiden Gruppen sollten die Teilnehmer in den drei Wochen vor sowie in den zwei Wochen nach dem Marathon täglich 1 Liter bis 1,5 Liter alkoholfreies Bier trinken.

Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen: In der "Verum"-Gruppe enthielt das Bier Polyphenole, in der "Placebo"-Gruppe war es polyphenolfrei.

Polyphenole gelten als gesundheitsfördernd

Polyphenole sind aromatische Verbindungen, die in Obst, Gemüse, Wein und auch in nicht-alkoholischem Bier vorkommen, so etwa auch im alkoholfreien Weißbier "Erdinger Alkoholfrei", das in der Studie quasi als "Verum" gewählt wurde.

Eine polyphenolfreie Bier-Variante war das "Placebo". Polyphenolen wird eine gesundheitsfördernde und krebsvorbeugende Wirkung zugeschrieben.

Die Hoffnung der Studieninitiatoren um Scherr war es, nachzuweisen, dass polyphenolhaltiges Weißbier antientzündliche Effekte hat und so auch Infekte der oberen Atemwege verhindern kann. Solche Infekte treten bekannterweise gehäuft nach schweren sportlichen Anstrengungen wie einem Marathon auf.

Diese vorübergehende Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern nach sportlichen Belastungen werde auch als "Open-Window" bezeichnet, schreibt die TU München in einer Mitteilung zur Studie.

Studienergebnisse wurden im Juni in Denver präsentiert

Die Ergebnisse der Studie, die übrigens den Namen "Be-MaGIC" trägt (Beer, Marathon, Genetics, Inflammation and the Cardiovascular system) sind Anfang Juni beim Kongress für Sportmedizin in Denver vorgestellt worden.

Wichtige Ergebnisse:

  • Reduzierte Entzündungsreaktion: Unter "Verum" ergaben sich bei der Untersuchung der Leukozyten sowohl direkt als auch 24 Stunden nach dem Rennen um 20 Prozent (signifikant) niedrigere Werte als unter "Placebo". Auch war der Anstieg der Interleukin-6-Konzentration nach dem Rennen in der Interventionsgruppe signifikant niedriger als in der "Placebo"-Gruppe, heißt es im Abstract zu einem Vortrag zur Studie, der beim Deutschen Sportärztekongress im Oktober in Frankfurt am Main* geplant ist (Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2011; 7-8: 188).
  • Unterstützung für das Immunsystem: Die im Testgetränk, also im polyphenolhaltigem Bier enthaltenen Stoffe wirkten ausgleichend auf das Immunsystem, schreibt die TU München, und zitiert Studienleiter Scherr: "Wir konnten belegen, dass ein durch körperlichen Stress geschwächtes Immunsystem gestärkt wird und ein überschießendes gebremst wird."
  • Vorbeugend gegen Erkältungen: Halten sich Marathon-Läufer streng daran, Tag für Tag mindestens 1 und maximal 1,5 Liter alkoholfreies - aber polyphenolhaltiges - Bier zu trinken, haben sie in den zwei Wochen nach einem Marathon signifikant weniger Infekte der oberen Atemwege als bei Konsum von polyphenofreiem Bier. Ergebnis der Per-Protocol-Analyse: Das Risiko, eine Erkältung zu bekommen, sei auf ein Drittel reduziert, so Scherr.
  • Besserung bei Infekten der oberen Atemwege: Traten Erkältungen auf, verliefen sie bei Studienteilnehmern unter "Verum" milder oder kürzer als bei Studienteilnehmern unter "Placebo", schreibt die TU München.

"Number Needed to Treat" ist 8

Auch die bei klinischen Studien immer häufiger nachgefragte "Number Needed to Treat" (NNT) kann die TU München mitteilen. "Es zeigte sich eine Number Needed to Treat von 8. Das bedeutet, dass acht Personen das Testgetränk erhalten müssen, um eine Erkrankung zu verhindern", wird Scherr in der Mitteilung zitiert.

Die Ergebnisse von Be-MaGIC sollen nach Angaben der TU München im Januar 2012 in der Fachzeitschrift "Medicine & Science in Sports & Exercise (MSSE) in gedruckter Form veröffentlicht werden.

Deutscher Sportärztekongress, 6. bis 8. Oktober, Frankfurt am Main

[01.08.2011, 13:50:00]
Dr. Wilhelm Schultheis 
alkoholfreies Bier bringt Immunzellen von Marathonläufern auf Trab
Man hätte als alterer Freizeitsportler doch gerne erfahren, ob bzgl. Bier oder dem angenommenen verum Polyphenole viel viel hilft und mehr noch mehr, also eine Dosis-Wirkungsbeziehung besteht. Außerdem, ob nur bei Marathon oder auch anderen schweißtreibenden Sportarten und ob eine Altersabhängigkeit gegeben ist (z.B. das gealterte Immunsystem der über 60-jährigen Sportler anders reagiert als das des 30-jährigen. zum Beitrag »

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