Ärzte Zeitung online, 05.08.2011

Hallenbäder für Freizeitsportler unbedenklich

BERLIN (hub). Für Freizeitschwimmer ist der Aufenthalt in Hallenbädern unbedenklich. Bei Leistungsschwimmern und Beschäftigten kann es jedoch zu Reizerscheinungen kommen. Dieser Schluss folgt aus einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes (UBA).

Die Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte des UBA hat eine Literaturrecherche zur möglichen Gesundheitsbeeinträchtigung durch Chloramine, besonders durch Trichloramin, in Hallenbädern vorgenommen (Bundesges Bl 2011; 54: 997).

Trichloramin entsteht bei der Reaktion von Chlor und Hypochlorit mit organischen Stickstoffverbindungen. In Hallenbädern herrscht nach bisherigen Untersuchungen eine Konzentration von Trichloramin von 0,2 bis 0,5 mg / m3. Aktuelle Angaben aus deutschen Hallenbädern kommen auf Konzentrationen von 0,05 bis 0,4 mg Trichloramin / m3.

Reizerscheinungen der Augenbindehäute, der Nasen- und Rachenschleimhäute sowie der unteren Atemwege stellen die Hauptwirkung von Trichloramin in der Luft bei akuter und chronischer Exposition dar, heißt es in dem Bericht. Ein Zusammenhang mit einer erhöhten Asthmainzidenz durch Trichloramin kann nicht belegt werden, so die UBA-Arbeitsgruppe.

3000 Kinder haben an Studie teilgenommen

So habe etwa eine Studie mit über 3000 Kindern in Spanien ergeben: Diejenigen, die in den ersten beiden Lebensjahren im Schwimmbad waren, hatten ein geringeres Asthmarisiko als jene, die erst mit vier Jahren schwimmen gingen.

Allerdings wird in Studien von Reizwirkungen bei Leistungsschwimmern und Beschäftigten in Hallenbädern berichtet. Diese Personengruppen halten sich allerdings mehrere Stunden täglich dort auf - im Gegensatz zu Freizeitschwimmern.

Zum derzeitigen Erkenntnisstand könne kein eindeutiger Grenzwert für Trichloramin festgelegt werden, so die Ad-hoc-Gruppe. Zum Schutz vor Reizwirkungen schlägt die Gruppe aber vor, in Anlehnung an die geplante Schweizer Regelung den technisch möglichen Standard von 0,2 mg Trichloramin / m3 einzuhalten.

Dieser Wert werde durch den toxikologischen und epidemiologischen Kenntnisstand gestützt.

Hauptquelle dürfte Harnstoff sein

Nicht erklärt wird in dem Bericht, woher die organischen Stickstoffverbindungen kommen, aus denen das Trichloramin entsteht. Vielleicht, weil dies naheliegend ist: Hauptquelle dürfte der Harnstoff sein, der durch die Schwimmbadbesucher ins Wasser eingetragen wird.

Gestützt wird die Vermutung dadurch, dass in Erlebnisbädern höhere Trichloramin-Gehalte gefunden wurden als in öffentlichen Hallenbädern. Kinder als Hautbesucher von Erlebnisbädern pinkeln wohl öfter ins Wasser als die eher älteren Hallenbadschwimmer.

[16.08.2011, 12:58:50]
Dr. Horst Grünwoldt 
Chloramine
Jeder, der gelegentlich ein öffentliches Schwimmbad besucht, macht die Erfahrung, daß der Haut hinterher noch längere Zeit ein chloriger Geruch anhaftet. Dies dürfte wohl von der Verbindung des aktiven Chlors im Badewasser mit den Zellen der Epidermis herrühren.
Vermutlich ist die Chlor-Amin-Verbindung an der Haut umso intensiver, je weniger der Badende vorher geduscht hat. Will heißen: die Intensität des Chloramin-"Duftes" ist wohl abhängig von der Dicke der (abgestorbenen) Epidermisschicht, deren Schuppen dann auch noch in den gemeinsamen pool eingetragen werden und den Schwimmbadgeruch noch verstärken.
Trotz allem bin ich froh, wenn das öffentliche Badewasser hinreichend gechlort wird, wenn ich sehe, wie viele Schwimmbadbesucher immer noch ungeduscht in´s gemeinsame Wasser steigen. Und dies, obwohl die meisten im Lauf des Tages vorher auf dem Trockenen schon mal Kaka und Pipi gemacht haben...
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (eine leidenschaftliche "Wasserratte") aus Rostock  zum Beitrag »

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