Ärzte Zeitung online, 18.11.2013

Wenn Kinder Fremdkörper aspirieren

Bei Erdnüssen droht der größte Ärger

Wenn ein Kind einen öligen Gegenstand wie etwa eine Erdnuss aspiriert hat, sollte auch nach dessen Entfernung besonders auf die Atmung des Patienten geachtet werden.

Von Christine Starostzik

Bei Erdnüssen droht der größte Ärger

Besonders Erdnüsse rutschen bei Kindern leicht in die Lunge. Zudem können sie durch das umgebende Öl die Mukosa reizen, so dass nach einer Aspiration gehäuft längere Klinikaufenthalte erforderlich sind.

© Christian Jung / fotolia.com

SENDAI / JAPAN. Wie schnell sich die Atemwege eines Kindes nach endoskopischer Entfernung eines aspirierten Fremdkörpers erholen und wie häufig pulmonale Komplikationen entstehen, ist offenbar nicht so sehr davon abhängig, wann der Gegenstand entfernt wird, sondern vielmehr von der Art des Aspirats.

Besonders langwierige Behandlungen waren einer japanischen Untersuchung zufolge bei öligen Fremdkörpern wie Erdnüssen und tierischem Material erforderlich.

Einer japanischen Studie zufolge droht hier ein erhöhtes pulmonales Risiko (International Journal of Pediatric Otorhinolaryngology 2013; 77: 1677-1682).

Stück Brathähnchen im Hauptbronchus eines Mädchens

Ausgangspunkt für die retrospektive Analyse war ein 9 mm großes Stück Brathähnchen, das bei einem 21 Monate alten Mädchen den falschen Weg in den linken Hauptbronchus genommen hatte. Noch am gleichen Tag wurde der Fremdkörper in mehreren Etappen entfernt.

Infolge dieser Prozeduren ergab sich ein Kehlkopfödem. Trotz Antibiotika und Dexamethason entwickelte sich eine Atelektase, die bis zum achten postoperativen Tag anhielt.

Zudem komplizierte eine Pneumonie den Zustand des Mädchens, das erst nach 30 Tagen aus der Klinik entlassen werden konnte.

Überrascht von diesem schweren Verlauf werteten die Chirurgen daraufhin alle Fälle von 77 japanischen Kindern aus, die wegen einer Fremdkörperaspiration am Tohoku University Hospital in den vorausgehenden 14 Jahren behandelt worden waren.

Bei allen Patienten, bis auf einen, war das Aspirat endoskopisch unter Vollnarkose mit der Zange entfernt worden. Bei keinem der Kinder hatten sich lebensgefährliche Komplikationen entwickelt.

Am häufigsten aspiriert: Erdnüsse und Gemüseteilchen

Analysiert wurden die Daten von insgesamt 49 Jungen und 28 Mädchen im Alter von acht Monaten bis zehn Jahren.

Die meisten der behandelten Kinder waren zwischen ein und zwei Jahre alt. Die am häufigsten aspirierten Dinge waren Erdnüsse (64%), gefolgt von anderen Nahrungsbestandteilen (21%, fast immer Gemüse).

In zwei Fällen handelte es sich um tierisches Material. Bei 12% der Kinder waren Gegenstände wie Teile eines Stifts, Spielzeugteile oder Zahnmaterial in die Luftwege geraten. 74% der Fremdkörper wurden innerhalb der ersten drei Tage nach Aspiration entfernt.

Die Verweildauer in der Klinik reichte von zwei bis 32 Tagen. Mehr als die Hälfte der kleinen Patienten wurde innerhalb von maximal fünf Tagen entlassen.

Längere stationäre Aufenthalte kamen häufiger nach Aspiration von Erdnüssen oder tierischem Material vor.

Alter, Geschlecht oder die Dauer zwischen Aspiration und Bronchoskopie spielten keine Rolle für die Länge des Klinikaufenthalts.

In der Regressionsanalyse zeigten sich vielmehr allein bei der Art des aspirierten Gegenstandes signifikante Unterschiede bezüglich der Verweildauer in der Klinik.

Das Öl könnte in der Mukosa Entzündungen auslösen

Im Vergleich mit Patienten, die anorganisches Material aspiriert hatten, befanden sich nach der Entfernung von Erdnüssen oder tierischem Material aus den Luftwegen fast sechsmal mehr Kinder mindestens fünf Tage oder länger in stationärer Behandlung (geschlechts- und altersadaptierte Odds Ratio, OR 5,8).

War anderes pflanzliches Material in die Bronchien geraten, lag die OR bei 1,32.

Möglicherweise irritiert das Öl, das die Erdnuss umgibt, die Bronchialmukosa und löst in der Umgebung massive Entzündungsreaktionen sowie weitere Komplikationen aus, die sich auch nach Entfernen des Fremdkörpers nur langsam zurückbilden, so die Erklärung der Autoren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »