Ärzte Zeitung, 25.01.2016

Kinder mit Schlafapnoe

Wie viel Mandel muss raus?

Bei sonst gesunden Kindern ist auch die intrakapsuläre Tonsillektomie und Adenotomie eine adäquate Option zur Verbesserung einer obstruktiven Schlafapnoe - ohne Nachteile etwa in puncto Zeitaufwand für den Eingriff oder Blutverlust.

Von Christine Starostzik

Wie viel Mandel muss raus?

Guter Schlaf ist wichtig - bis zu fünf Prozent der Kinder leiden unter einer obstruktiven Schlafapnoe.

© luna / fotolia.com

NEW YORK. Es muss nicht immer gleich radikal operiert werden: Auch die intrakapsuläre Tonsillektomie und Andenotomie ist bei vielen Kindern eine wirksame Methode zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe (OSAS), mit ähnlichen Ergebnissen, wie eine US-Studie nahelegt.

Schätzungen zufolge leiden bis zu fünf Prozent der Kinder unter einer obstruktiven Schlafapnoe mit Atemwegsobstruktion und gestörtem Schlaf.

Die häufigste Ursache sind vergrößerte Gaumen- und Rachenmandeln, die Adenotonsillektomie die Therapie der ersten Wahl. Doch trotz der Häufigkeit dieses Eingriffs wird nach wie vor über die optimale chirurgische Technik diskutiert.

Mittlerweile wird statt der kompletten Entfernung der Mandeln (extrakapsulare Tonsillektomie und Adenotomie, ETA) häufig eine intrakapsuläre Tonsillektomie und Adenotomie (ITA) empfohlen.

Dabei wird ein schmaler Saum lymphatischen Gewebes in der Tonsillennische belassen, um das Risiko für Verletzungen der darunter liegenden Muskeln und tieferer neurovaskulärer Strukturen zu verringern.

Methoden wurden verglichen

Dr. Pamela Mukhatiyar vom Albert Einstein College of Medicine in New York und Kollegen haben die beiden Methoden miteinander verglichen. In einer retrospektiven Querschnittstudie untersuchten sie die Daten von Patienten zwischen zwei und 18 Jahren, die sich wegen einer OSAS an der Kinderklinik Montefiore zwischen 2008 und 2013 einer ETA (52 Patienten, 60 Prozent adipös, 39 Prozent Asthmatiker) oder einer ITA (37 Patienten, 30 Prozent adipös, 38 Prozent Asthmatiker) unterzogen hatten.

Der mittlere obstruktive Apnoe-Hypopnoe-Index (oAHI) - also die Zahl von Apnoe-Hypopnoe-Episoden je Stunde Schlaf - lag präoperativ in der ETA-Gruppe bei 17,0 und in der ITA-Gruppe bei 24,1 (JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. 2015; online 19. November).

Bei Komorbiditäten besser ETA?

Hinsichtlich der klinischen Ergebnisse waren zwischen den beiden Methoden keine signifikanten Unterschiede erkennbar, weder beim Zeitaufwand für den Eingriff noch bei Blutverlust, Komplikationsrate, Einweisungsrate, der Notwendigkeit einer Notfallversorgung oder der Dauer des Klinikaufenthalts.

Auch die postoperative, maximal zwei Jahre nach der Operation durchgeführte Polysomnografie zeigte in beiden Gruppen ähnlich gute Ergebnisse.

Der oAHI hatte sich nach dem Eingriff signifikant reduziert, und zwar unabhängig von Op-Technik, Alter oder BMI der Patienten (postoperativ ETA 1,7 beziehungsweise ITA 1,5).

In einer Subgruppe adipöser Patienten mit Asthma zeigte sich nach ITA allerdings noch gehäuft eine OSAS (Odds Ratio 16,5).

Wegen der additiven Effekte von Adipositas, Asthma und Tonsillenhypertrophie, die zu Therapieversagen führen können, sei hier ein multidisziplinärer Ansatz mit ETA gefragt, um die Atemwegsrestriktion zu verbessern, so die Autoren.

Langzeitstudien fehlen

Mukhatiyar und Kollegen werten die beiden Methoden aufgrund ihrer Studienergebnisse als gleichwertig. Bei sonst gesunden Kindern stelle auch die ITA eine adäquate Option zur Verbesserung einer obstruktiven Schlafapnoe dar.

Eine Einschränkung machen die Mediziner jedoch für Kinder mit Asthma und Adipositas. Hier sei ein Therapieversagen nach Komplettentfernung deutlich seltener als nach intrakapsulärer Tonsillektomie.

Wegen der geringen Stichprobenzahlen und der kurzen Nachbeobachtungszeit von maximal zwei Jahren müssten die Ergebnisse zunächst aber in prospektiven Langzeitstudien überprüft werden.

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