Ärzte Zeitung, 13.07.2016

Pneumonie

Öfter CT zurate ziehen!

Die Aussagekraft von Computertomografie- Ergebnissen in der Pneumonie-Diagnostik ist in einer Studie untersucht worden.

Von Marco Mrusek

MAINZ. Bei der Diagnose der ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) ist ein CT-Befund einem Röntgen-Nachweis überlegen. Das hat eine französische Multicenter-Studie ergeben, die Privatdozent Dr. Martin Kolditz vom Universitätsklinikum Dresden beim 4. Infektio Update in Mainz vorgestellt hat.

Die Autoren hatten 319 konsekutive Patienten in der Notaufnahme mit dem klinischen Verdacht auf eine CAP in der Studie berücksichtigt. Bei allen wurde zuerst ein Röntgenbild und danach innerhalb von vier Stunden ein CT angefertigt. Primärer Endpunkt war der Einfluss des CT-Ergebnisses auf die Wahrscheinlichkeit der Diagnose CAP (Am J Respir Crit Care Med, 2015 Oct 15;192(8):974-82).

CT viel genauer als Röntgen-Nachweis

Die Wahrscheinlichkeit einer CAP sei nach Kenntnis des CT-Befundes bei 187 Patienten (58 Prozent) korrigiert worden, zu 18 Prozent mit einer höheren Wahrscheinlichkeit und zu 40 Prozent mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit. Bei 29 Prozent sei eine vorher vermutete CAP ausgeschlossen worden und bei 34 Prozent nach dem CT neu als definitiv bewertet worden. Zusätzlich seien drei Patienten mit Lungenembolie und elf Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz gezielt behandelt worden.

Patienten ohne Befund im Röntgen, aber mit Befund im CT hatten öfter fokale Auskultationsbefunde und einen erhöhten Wert von C-reaktivem Protein (CRP) im Blut. Patienten mit CAP-Verdacht im Röntgen, aber ohne Bestätigung im CT hatten ein höheres Alter, einen niedrigeren CRP-Blutwert und einen erhöhten Serumharnstoff-Wert.

"Die diagnostische Überlegenheit des CT bei Patienten mit klinisch vermuteter CAP deckt sich mit der klinischen Erfahrung und den Ergebnissen kleinerer Studien, aber die unerwartet hohe Rate klinischer Diagnoseänderungen stimmt nachdenklich", fasst Kolditz in seinem Manuskript zusammen.

Eine Verdrängung der konventionell-radiologischen Diagnostik sei nur eine Frage der Zeit, so Kolditz. Zunächst würden jedoch weitere Daten benötigt, ob Röntgen-negative, aber CT-positive Patienten ein ähnliches Erregerspektrum und eine ähnliche Prognose hätten wie Patienten mit konventionell-radiologisch diagnostizierter CAP.

Gleichwohl sollte die aktuelle Studie Anlass geben, auch im Alltag die Diagnose CAP beziehungsweise fehlende CAP kritisch zu hinterfragen und im Zweifel öfter ein CT anzufertigen, betont Kolditz.

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