Ärzte Zeitung online, 05.06.2009

Sehbehindertentag wirbt um mehr Rücksicht

DÜSSELDORF/HAMBURG (dpa). Wenn Elisabeth Stiebeling an der Haltestelle jemanden nach der Nummer des angezeigten Busses oder der Bahn fragt, bekommt sie bereitwillig Auskunft. Denn die dicke Star-Brille und der weiße Langstock dokumentieren ihr Handicap deutlich. "Ich muss nicht lang und breit meine Sehbehinderung erklären", sagt die Düsseldorferin.

Aber Frauen und Männer mit Sehproblemen, denen eine Brille nicht hilft und die keinen weißen Stock tragen, stoßen oft auf Unverständnis, weil ihnen das Handicap nicht anzusehen sei. Rund eine Million Menschen mit Sehbehinderungen gibt es in Deutschland. Auf ihre Probleme soll der "Nationale Sehbehindertentag" an diesem Samstag aufmerksam machen.

"Kontrastreich markierte Stufen, Großschrift auf Anzeigetafeln und Schildern sowie deutlich helle Beleuchtung der Straßen und Unterführungen erleichtern sehbehinderten Menschen den Alltag erheblich", sagt die Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV), Renate Reymann.

In einem weiteren Schwerpunkt des Sehbehindertentages 2009 geht es um Erleichterungen beim Lesen. Dazu gehört eine Informationsaktion des DBSV in zahlreichen Buchhandlungen. Das Motto heißt: "Lesen, so wie ich es mag!" Betroffene aus den Selbsthilfeorganisationen geben Tipps und Tricks. Außerdem werden Großdruck- und Hörbücher vorgestellt, auch in dem Format DAISY, das als besonders bedienerfreundlich gilt.

"DAISY ermöglicht blinden oder sehbehinderten Menschen, auf CD gelesene Bücher nach Überschriften, Kapiteln und selbst gesetzten Lesezeichen zu durchsuchen", erklärt Reymann. "Vielerorts werden zudem spezielle Lesegeräte ausgestellt oder Optiker präsentieren Lampen und Sehhilfen, die das Lesen wieder möglich machen", ergänzt Stiebeling.

Am 6. Juni: Tag der Sehbehinderten

Am Tag der Sehbehinderten informieren seit 1999 am 6. Juni Selbsthilfeverbände bundesweit über die Lage von Menschen mit Augenfehlern. Als sehbehindert gilt, wer mit Brille auf keinem Auge 30 Prozent der normalen Sehkraft erreicht. Wer unter fünf Prozent bleibt, ist blind. In Deutschland werden Blinde und Sehbehinderte nicht statistisch erfasst, ihre Zahl wird auf 150 000 beziehungsweise 500 000 geschätzt. Andere Berechnungen gehen von insgesamt 1,2 Millionen aus. Der DBSV fordert das empirische Sammeln von Daten. Das sei unerlässlich für die Planungssicherheit etwa bei der Blindenbildung oder Augenmedizin.

www.dbsv.org

[08.06.2009, 14:22:16]
Gabriele Wagner 
Die gelbe Brosche ist zu unfauffällig, die gelbe Binde altmodisch
Ein Augenoptiker hat uns per E-Mail diesen Kommentar geschickt:

Viele haben ein Problem damit es zu zeigen. Ich als Augenoptiker mit Makuladegeneration hätte, bei V 0,3 angelangt, kein Problem, auf mein Handycap besonders gegenüber schnellen Radfahrern auf Fußwegen, aufmerksam zu machen. Die gelbe Brosche mit den 3 Punkten ist nicht auffälig genug. Die gelbe Binde ist oldfashioned. Hat da mal ein Designer eine Idee für eine flotte modische "Warnweste",die auch den Menschen hinter einem zeigt, hier ist jemand, der nicht mehr alles wahrnimmt und nicht mehr schnell reagiert?

D. Rennenberg, Wedel
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