Ärzte Zeitung online, 24.08.2009

Durch Gentherapie kann blinde Frau langsam wieder sehen

PHILADELPHIA (ple). Im vergangenen Jahr konnte eine von Geburt an blinde Patientin durch eine Gentherapie erstmals etwas sehen. Inzwischen hat sich offenbar ihr Sehvermögen weiter verbessert.

zur Großdarstellung klicken

Foto: sam richter ©www.fotolia.de

Die Patientin hat wie zwei weitere Patienten einer Studie die Erbkrankheit Amaurosis congenita Leber und wurde vor einem Jahr mit einem gentherapeutischen Präparat behandelt. Dieses Präparat enthält den Bauplan für das Eiweißmolekül RPE65. Fehlt das Gen, so kommt es zur Amaurose, bei der die Patienten von Geburt an aufgrund einer unterentwickelten Netzhaut blind sind.

Wie die Arbeitsgruppe um Dr. Arthur V. Cideciyan aus Philadelphia in Pennsylvania jetzt berichtet, hat sich bei der Patientin das Sehvermögen ein Jahr nach der Gentherapie weiter verbessert (NEJM 361/7, 2009, 725). Die Frau berichtete, dass sie eines Tages erstmals in ihrem Leben bei einer Autofahrt die beleuchtete Uhr im Wagen sehen konnte. Als sie augenärztlich genauer untersucht wurde, stellten die Ärzte fest, dass die Patientin Dinge mithilfe jener Bereiche der Netzhaut sehen konnte, in die das intakte Gen injiziert worden war.

Bereits einen Monat nach der Gentherapie war diese Netzhautregion deutlich lichtempfindlicher als zu Beginn der Studie. Doch es dauerte fast ein Jahr, bis die Patientin schwach beleuchtete Buchstaben und Ziffern wie jene im Auto lesen konnte. Jetzt soll geprüft werden, ob sich das Sehvermögen durch gezieltes Training schneller verbessern lässt.

Über die ersten Ergebnisse der Gentherapie hatte die Gruppe um Cideciyan im Herbst vergangenen Jahres erstmals berichtet (PNAS 105/39, 2008, 1512).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zeit für aggressive Maßnahmen

Viel Geschwätz, wenig Taten: Zeit für aggressive Weichenstellungen in der Diabetes-Prävention, meinen Fachleute. Sie fordern die Lebensmittel-Ampel und Steuern auf ungesunde Produkte. mehr »

Beim Thema Luftschadstoffe scheiden sich die Geister

Gesundheitliche Gefahren von Luftverschmutzung sehen Pneumologen vorrangig als ihr Thema an. Doch die Meinung der Fachärzte darüber ist nicht einhellig. Das zeigt sich auch im Vorfeld ihrer Fachtagung. mehr »

Patienten vertrauen auf Online-Bewertungen

In welche Praxis soll ich gehen? Ihre Entscheidung fällen Patienten zunehmend anhand von Online-Bewertungen – eine Chance für Ärzte, so eine neue Studie. mehr »